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Sonntag, 01. September 2013

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Die Behörden werden sich Fragen stellen müssen

Hätte die Frau gerettet werden können?

Weinheim, 06. Juni 2012. (red) Beim Brand auf der Station 14 im GRN-Betreuungszentrum Weinheim ist eine Frau ums Leben gekommen. Trotz “optimaler” Einsatzbedingungen hatte die 41-Jährige vermutlich keine Chance zu überleben. Die Frage ist, ob sie diese hätte haben können – und die Frage ist dringend.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Frau hatte wohl keine Chance. Sie musste sterben, obwohl es ein technisch funktionierendes System gibt, das ihr Leben hätte retten können.

Das beweist der Einsatz der Feuerwehren. Innerhalb von wenigen Minuten ist die Feuerwehr Abteilung Stadt vor Ort. Nur fünf Minuten nach der Alarmierung. Eine Minute später ist die Drehleiter im Einsatz und der “Feuerangriff” beginnt.

Eigentlich sind die Umstände günstig – der Einsatzort ist in unmittelbarer Nähe der Feuerwehr. Nur einen guten Kilometer entfernt. Deswegen kann man auch so schnell reagieren und erfolgreich eine Katastrophe verhindern. Die Feuerwehr Weinheim und andere Wehren arbeiten routiniert und einsatzwillig. Die ehrenamtlichen Helfer wissen, wie kostbar und knapp die Zeit ist. Wie entscheidend sie ist, über Leben und Tod. Sie beeilen sich, geben alles. Wie immer. Der Einsatz der Feuerwehr muss gelobt werden – er ist nicht Bestandteil der Kritik, die folgt.

Warum musste die Frau sterben?

Trotz “optimaler” Einsatzbedingungen stirbt eine Bewohnerin. Erst 41 Jahre alt. Warum?

Die Frage ist eindeutig zu beantworten. Sie ist Opfer eines mangelhaften Schutzes geworden.

Die moderne Brandschutztechnik hat funktioniert. Sehr gut sogar. Der Einsatzbericht der Feuerwehr bestätigt das. Die Brandmeldeanlage hat die Alarmierung ausgelöst. Die Einsatzkräfte wurden angepiepst und haben keine Zeit verloren. Die Brandschutztüren haben automatisch geschlossen. Der Einsatz von Feuerwehren und Polizei und Rettungsdienst hat “optimal” funktioniert.

Die Frau ist trotzdem tot.

In ihrem Zimmer im dritten Stock auf der Station 14 des GRN-Betreuungszentrums hat sich aus bislang ungeklärter Ursache ein Feuer entwickelt. Vielleicht hat es erst geschmort. Vielleicht gab es gleich Flammen.

Hatte sie eine Chance zu überleben?

Tatsache ist, dass sich der Rauch aus Schmoren oder Brennen erst entwickeln musste. Er musste sich ausbreiten im Zimmer, den Weg durch die geschlossene Tür nach draußen finden und hier zu den Rauchmeldern an der Decke und diese aktivieren.

Wie viele Minuten hat das gedauert?

Diese Frage kann vor Ort niemand beantworten – man ist im Einsatz. Klar ist dennoch: Es hat zu lange gedauert. Die Tote von Station 14 ist der traurige Beweis.

Ganz ohne Frage hätte ein Rauchmelder im Zimmer viel früher angeschlagen. Hätte eine solche Installation, die technisch nicht sehr aufwändig ist, ihr Leben retten können?

Lauert in GRN-Zentren der Tod?

Wie sieht es in anderen GRN-Standorten aus? Lauert dort auch der Tod, weil es an technischer Ausstattung fehlt? Der Rhein-Neckar-Kreis betreibt viele Einrichtungen über die gemeinnützige GmbH, GRN-Gesundheitszentren:

Sinsheim und Weinheim sind die Standorte für zwei Pflegeeinrichtungen, die mehr sind als eine Bleibe für hilfsbedürftige Senioren: Hier leben psychisch kranke, suchtkranke, geistig behinderte und chronisch neurologisch kranke Menschen jeden Alters gemeinsam mit pflegebedürftigen Senioren unter einem Dach.

Wie sicher sind die Menschen dort, wenn die Brandmeldeanlage auf dem Gang die Station schützt, aber nicht die Bewohner in den Zimmern?

Kann sich eine solche Tragödie täglich wiederholen? Können die Bürgerinnen und Bürger darauf vertrauen, dass sich ihre Söhne und Töchter, Mütter und Väter, Freunde oder Partner dort “sorglos” aufhalten können? Die Menschen, die in diesen Einrichtungen betreut werden, brauchen “Betreuung”, Zuwendung, Verantwortung von anderen.

Was ist vor dem Zimmerbrand geschehen? Hat die Tote den Brand und ihren Tod provoziert und Schäden für andere in Kauf genommen? War es Absicht oder Nachlässigkeit? Hat sie im Bett geraucht? War alles nur ein unglückliche Verkettung?

Es gibt diese und noch mehr Fragen, die die Zentrumsleitung, der Rhein-Neckar-Kreis beantworten werden müssen, um Transparenz herzustellen.

Bedeutet keine gesetzliche Pflicht eine Befreiung von Verantwortung?

Vor Ort gibt es erste Informationen, dass Rauchmelder auf Zimmern keine Pflicht seien. So sei die Gesetzeslage. Das können wir in der Nacht nicht überprüfen. Aber klar ist, wenn die “Gesetzeslage” so sein sollte, dann besteht dringender Handlungsbedarf, die Gesetze zu ändern. Die Tote von Station 14 ist der erschütternde Beweis.

Auf 150.000 Euro “Sachschaden” beziffert die Feuerwehr Weinheim auf den ersten Blick den “wirtschaftlichen” Schaden des Brandes. Da muss man fragen, wie viele GRN-Zimmer und deren Bewohner man mit einer solchen Ausgabe schützen könnte? 150, 300 oder sogar mehr?

Die Tote von Station 14 musste sterben, obwohl es ein perfektes Sicherheitssystem gibt. Sie musste sterben, weil dieses vor ihrer Zimmertür endete.

Vielleicht öffnet sich eine Tür im Kopf der Verantwortlichen durch ihr tragisches Opfer.

Rauchmelder müssen Pflicht sein – überall, in jedem Raum, in jedem Zimmer.

Unabhängig davon muss die Frage gestellt werden, ob der tragische Tod der Frau hätte verhindert werden können?

Und dazu müssen die Verantwortlichen Antworten geben.

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  • http://www.foerderverein-kph.de Muschalle Andreas

    Es ist immer ein Verlust wenn ein Mensch stirbt, noch dazu durch Brandstiftung wie sich jetzt heraus gestellt hat . Ich würde mir eine zurückhaltende Berichterstattung wünschen . Keiner kann eine Stunde nachdem der Brand gelöscht wurde, sagen wie hoch der Sachschaden ist oder ob der Mensch hätte gerettet werden können. Aber sicher ist, dass wir alle erzählt bekommen Betreuung und Pflege ist zu teuer. Nur es werden immer mehr zu betreuende und pflegebedürftige Menschen. Wie kann es sein, dass 19 bis 30 Jährige Menschen schon als austherapiert gelten und auf ein Leben zwischen Drogen und Entzug zurück blicken Menschen die eigentlich bei frühkindlicher Förderung und Lebensperspektiven einen anderen Lebensweg hätten einschlagen können? Wer hat im Vorfeld versagt? Kann man eine vernünftige Jugendarbeit leisten, wenn aller 6 Monate die Finanzierung neu geklärt werden muss? Sicher Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer und über diese, muss nachgedacht werden. Aber auch darüber wie wir in Zukunft eine vernünftig Pflege finanzieren wollen. Eine Pflege mit ausgebildeten Fachkräften , die auch entsprechend bezahlt werden müssen.
    Nachgedacht wird aber über Modelle wie es noch billiger geht ,da denken Institutionen mit dem C im Namen darüber nach, wie Sie ein Euro Kräfte einsetzen können und wie sie Tarifrecht umgehen können. Bei Landeseinrichtungen werden die Einrichtungen vom Land abgekoppelt um Geld zu sparen usw. So lange Pflege gewinnorientiert betrieben wird, Erzieher und Lehrer nicht die Anerkennung bekommen, die Sie verdienen oder Eltern mit 100,-Euro abgefunden werden, damit sie ihre Kleinkinder vor dem Fernseher parken an statt in Kinderbetreuung zu investieren, sind wir auf dem falschen Weg .

    • Redaktion

      Guten Tag!

      Danke für Ihren differenzierten Beitrag mit vielen wichtigen Beobachtungen!

      Zur Berichterstattung:
      Unsere Redaktion legt sehr viel Wert auf eine qualitativ hochwertige Berichterstattung. Bei der Recherche bemühen wir uns, die Informationen so gut es nur geht zu verifizieren. Selbstverständlich stellt sich die Frage bei Sachschäden immer, wie hoch dieser Schaden ist – gerade, wenn es öffentliche Gelder kostet, diesen zu beheben. Selbstverständlich sind solche Angaben zunächst nur eine Schätzwert – wenn diese “Schätzungen” aber so eklatant auseinanderliegen wie aktuell, dann weiß mindestens eine Quelle nicht, wie so etwas zu bewerten ist und sollte eine solche behördliche Information nicht herausgeben.

      Die Frage, ob der tragische Todesfall hätte verhindert werden können ist hingegen zwingend zu recherchieren. Es ist ein Mensch ums Leben gekommen und sollte dies auf unzureichende Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen sein, wäre das ein Skandal und muss Konsequenzen haben. Die GRN-Betreuungszentren eGmbH ist dringend verpflichtet, die Öffentlichkeit zu informieren und sicherzustellen, dass die pflegebedürftigen Bewohner keinem Gesundheitsrisiko bis hin zum Tod ausgesetzt sind. Dafür werden sich sicherlich auch alle Angehörigen dringend interessieren.

      Nach unseren Recherchen ist es wahrscheinlich, dass ein Zimmerrauchmelder vorhanden war. Ob dieser “privat” oder durch die Betreiber “installiert” worden ist, ist noch offen. Weiter ist die Frage offen, ob ein solcher Zimmerrauchmelder geeignet ist, den notwendigen Schutz zu leisten? Im vorliegenden Fall eindeutig nicht.

      Auch im Zusammenhang mit der von der Polizei ermittelten vorsätzlichen Brandstiftung wird es eine Reihe drängender Fragen zu klären geben. Ganz klar steht bei der Berichterstattung keine Skandalisierung im Vordergrund, sondern die grundgesetzlich garantierte freie Information der interessierten Öffentlichkeit. Aus Sicht der Redaktion ist die entscheidende Frage dabei, ob die GRN-Bewohner sicher untergebracht sind oder nicht.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das Weinheimblog.de