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Donnerstag, 29. August 2013

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Recherchefragen an die Weinheimer Nachrichten bleiben ohne Antwort

Wie kommen eigentlich Originalzitate in die Zeitung?

Weinheim, 08. März 2013. (red/pro) Die Tageszeitung Weinheimer Nachrichten ist ein sehr besonderes Medium. Der Redaktion gelingt das Unmögliche: Sie berichtet mit einer Vielzahl von wörtlichen Zitaten aus der vergangenen Gemeinderatssitzung – und dass, obwohl kein Mitarbeiter der Redaktion zugegen war. Ist das Voodoo, Zauberei? Oder verfügen die Mitarbeiter dieses Provinzblatts über ganz außerordentliche investigative Fähigkeiten? Wir wollten das gerne genauer wissen und haben nachgefragt. Das Ergebnis: Intransparentes Schweigen.

Von Hardy Prothmann

Wie kann man jemanden wörtlich zitieren, den man nicht hat sprechen hören? Diese Frage möchte die Zeitung nicht beantworten. Quelle: Weinheimer Nachrichten

Verbraucher wollen wissen, was im Essen ist. Welche Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Zusatzstoffe. Sie wollen kontrollierte Qualität erhalten und haben ein Recht darauf, dass die Kennzeichnungen auf Produkten verlässlich sind. Auch für andere Produkte gelten Qualitätskriterien und Normen. Und die Zeitungen behaupten von sich, “Qualitätsjournalismus” zu liefern. Das kann nun alles heißen. Doch ein transparenter Umgang mit “Inhaltsstoffen” sollte auch für  Medien gelten: Woher kommen welche Informationen? Wie hat man sie erhalten? Wie verarbeitet?

Klar – manchmal muss man Quellen auch schützen. Aber das ist selten der Fall. Ein transparenter Umgang mit Informationen erhöht aber deutlich die Glaubwürdigkeit von Medien. Die Weinheimer Nachrichten haben wir schon mehrfach kritisch besprochen, weil diese Zeitung wie viele andere auch, ihre Leser/innen täuscht. Täglich erscheinen eine Vielzahl von Artikeln, die so aussehen, als seien sie redaktionell-journalistisch von der Zeitung erarbeitet. Tatsächlich handelt es sich aber um zugesandte Informationen. Der einzige Hinweis ist ab und an ein vorzugsweise im Nebensatz versteckter Hinweis: “wie xy in einer Pressemitteilung schreibt”. Nicht erkennbar ist, ob sich das auf den gesamten Text, den Absatz oder nur den Hauptsatz bezieht.

Aktuell hat die Zeitung einen Bericht veröffentlicht, bei dem sie mehrere Gemeinderatsmitglieder umfangreich wörtlich zitiert. So, als hätte ein Mitarbeiter der Zeitung diese Zitate mit eigenen Ohren gehört und sei dabei gewesen. Tatsächlich war aber kein Mitarbeiter mehr anwesend, als zum Thema verhandelt worden ist.

Das ist mehr als kurios. Wir haben deshalb einen der Redaktionsleiter, Carsten Propp, angeschrieben, um das Rätsel zu lösen. Nachdem wir vier Tage keine Antwort erhalten haben, veröffentlichen wir die Anfrage und eine frei erfundene Antwort.

Unsere email-Anfrage vom 02. März zu dubiosen Zitattechniken

Sehr geehrter Herr Propp,

in der Ausgabe der Weinheimer Nachrichten findet sich am 1. März ein Bericht:

“Gemeinderat: Gemeinschaftsschule in Hemsbach ergänzt Angebot”

Darin werden verschiedene Gemeinderäte wörtlich zitiert. Beispiel:

Wolfgang Metzeltin (SPD) und Cornelia Münch-Schröder (GAL) lobten das Projekt und freuten sich, dass es in Hemsbach eine solche Schule geben soll. Dies sei eine optimale Ergänzung zur Weinheimer Schullandschaft, wo man keinen Bedarf nach einer Gemeinschaftsschule gesehen hatte. „Mit einem Angebot in der Nachbarschaft ist auch dieses Spektrum nun abgedeckt“, freute sich Metzeltin. „Dass die Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen, das wünschen wir uns schon lange“, ergänzte Münch-Schröder.

Mal abgesehen davon, ob die Zitate korrekt sind – welche Mitarbeiter der Weinheimer Nachrichten hat die notiert? Sie haben die Sitzung vor 19 Uhr verlassen und Ihr Kollege gegen 20 Uhr. Die Debatte zum Thema fand so gegen 20:40 Uhr statt.

Eventuell haben Sie sich die Zitate ja berichten lassen. Doch von wem? Von Stadträten? Im Bericht Ihrer Zeitung ist leider wie üblich keine anständige Quellenangabe vorhanden. Vielmehr erweckt der Bericht den Eindruck, als habe ein Mitarbeiter Ihrer Zeitung die Debatte verfolgt und Zitate notiert.

Können Sie mir erklären, wie das sein kann?

Weiter fehlen ganz wesentliche Elemente der Debatte: Beispielsweise Nachfragen des CDU-Stadtrats Thomas Bader an den Oberbürgermeister Heiner Bernhard und ein ideologischer und vollkommen überzogener Angriff des Grünen-Stadtrats Hans-Ulrich Sckerl auf Herrn Bader, der nur fragte, ob der Schulzweckverband eventuell in Zukunft hohe Kosten für die Stadt mit sich bringt.

Wieso wird ein so zentraler Teil der Debatte in der Zeitung nicht berichtet?

Sie erkennen, ich habe sehr wesentliche Fragen an Sie, die absolut relevant für die Weinheimer Öffentlichkeit sind, die sicherlich sehr interessiert ist, wie ein Medium, dem die Menschen vertrauen möchten, tatsächlich arbeitet und wie Berichte zustande kommen. Sie wissen schon – Transparenz ist das Stichwort.

Sie persönlich stehen ja für Qualitätsjournalismus ein. Zum 25-jährigen Jubiläum der Initiative Tageszeitung, einem Zusammenschluss von engagierten Zeitungsmachern, waren Sie wie ich auch in Berlin zur Feier (ich bin kein Mitglied, ich vermute aber, Sie sind eins oder die Weinheimer Nachrichten). Als Teilnehmer im Zuschauerraum haben Sie sich überzeugen können, das ich als Podiumsteilnehmer der Diskussion um die Zukunft der Zeitung ein vehementer Verfechter des Qualitätsjournalismus bin – wenn ich auch nicht davon überzeugt bin, dass dieser gedruckt sein muss. Wir ziehen also an einem Strang – also in Sachen Qualität hoffe ich – insofern bin ich überzeugt, dass Sie für Aufklärung sorgen und meine Fragen umfassend beantworten und Nachfragen aufgeschlossen sind.

In diesem Zusammenhang würde mich auch sehr interessieren, wieso die Weinheimer Nachrichten immer nur “versteckt” die Herkunft von Informationen “transparent” machen. Sicher, in einem Halbsatz wird meistens etwas in der Art geschrieben “wie die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt gibt” – aber der Rest liest sich so, als sei er redaktionell erarbeitet worden. Kein Wunder, der Pressesprecher der Stadt, Roland Kern, ist ein früherer Journalist und versteht sein Handwerk.

Wir übernehmen häufig seine Presseinformationen, weil sie “den Kern” der Sachen schildern und wir dankbar sind, unseren Leser/innen Informationen anbeiten zu können, die wir sonst personell nicht leisten könnten. Aber wir würden niemals auf die Idee kommen, so zu tun, als seien diese Fremdinformationen Produkte unserer Redaktion. Wir schreiben immer die Quelle dazu und kennzeichnen die Texte als Zitat. Die Weinheimer Nachrichten hingegen verwenden das Kürzel WN. Der unbedarfte Leser muss meinen, es handle sich um einen Bericht der Weinheimer Nachrichten.

Wir gehen bei unserem Bemühen um Transparenz noch weiter und zollen Respekt: Herr Kern schreibt immer mal wieder sehr schön lesbare Autorenstücke. In Absprache mit ihm nennen wir ihn mit “Von Roland Kern” als Autor. Am Ende des Artikels informieren wir unsere geneigten Leser/innen darüber, dass Herr Kern Pressesprecher der Stadt ist. Die Leser/innen können dann selbst entscheiden, ob es sich um eine “unabhängige” Berichterstattung handelt oder nicht. Aus unserer Sicht ist sie auf jeden Fall eine dokumentarische. Damit haben wir kein Problem.

A propos Problem. Wie uns zugetragen worden ist und was wir in einer Anfangsrecherche bestätigt gefunden haben, sind Sie, Herr Propp, nicht nur Redaktionsleiter der Weinheimer Nachrichten, sondern gleichzeitig Pressesprecher eines großen Sportvereins in Weinheim. Diese Doppelfunktion ist aus unserer Sicht sehr erstaunlich.

Für mich drängt sich hier natürlich sofort die Frage auf, was diese Doppelfunktion für die journalistisch Berichterstattung bedeutet. Schreiben Sie als Pressesprecher Texte, die die Weinheimer Nachrichten dann mit einem kurzen Hinweis auf eine Pressemitteilung des Vereins verklausuliert als redaktionelle Berichterstattung darstellen? Ist so etwas tatsächlich vorstellbar?

Oder verhält es sich anders: Sie wechseln den Hut des Redakteurs durch den des Sportfunktionärs und lassen sich von einem kritischen Kollegen (sorry, unabhängigen Zeitungsjournalisten der Lokalpresse Weinheimer Nachrichten) interviewen und stehen für Auskünfte bereit?

Das ist sehr verwirrend und ich glaube, ich sollte die Initiative Tageszeitung befragen, ob eine Doppelfunktion dieser Art für die Zukunft des Qualitätsjournalismus förderlich sein kann.

Ich habe Ihnen jetzt einen langen, freundlich-interessierten Brief geschrieben, Herr Propp. Sie verzeihen, wenn ich auf den “Kollegen” vorerst verzichte.

Zusammenfassend:

Woher stammen die wörtlichen Zitate aus der Gemeinderatssitzung?
Wieso zeigen die Weinheimer Nachrichten nicht transparent ihre Quellen auf?
Wie vereinbaren Sie Ihre Funktionen als verantwortlicher Redakteur einer Tageszeitung mit der des Pressesprechers eines Vereins, über den oft in der Zeitung berichtet wird.

Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Schöne Grüße
Hardy Prothmann

In Ermangelung einer Antwort veröffentlichen wir eine frei erfundene, satirische Antwort.

Sehr geehrter Herr Prothmann,

können Sie nicht einfach wieder dahin zurückgehen, wo Sie hergekommen sind?

Kein Mensch braucht Ihre blöden Fragen und dieses nörglerische Getue von wegen Transparenz, Wahrhaftigkeit und diesem Mist.

Was in der Zeitung steht, ist die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

Für wen halten Sie sich eigentlich? Glauben Sie im Ernst, dass irgendjemand die Wahrheit interessiert?

Ich bin kein popeliger Pressesprecher, sondern sogar Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit der TSG Weinheim und sogar im geschäftsführenden Vorstand . Wo bleibt Ihr Respekt? Investigativer geht’s doch gar nicht. Besser ich schreibe die Artikel und suche die Informationen zusammen als irgendso ein Vereinsdepp und einer von uns muss den Müll dann mühevoll in ein annehmbares Deutsch zurückübersetzen. Das nennt sich Synergie, Win-Win, Sie Wichtigtuer.

Das machen wir als hochprofessionelles Medium überall so. Wir nehmen die Text der Stadtverwaltung Weinheim und setzen Sie in die Zeitung mit dem Kürzel WN. Schließlich haben wir Arbeit damit, wir drucken das und liefern es aus. Also gehört diese Leistung uns. Das ist demnächst sogar gesetzlich als Leistungsschutzrecht geschützt. Wie übrigens auch das von Ihnen verwendete Zitat – in Zukunft bekommen Sie dafür von uns eine saftige Rechnung.

Unsere Leser müssen nur das wissen, was wir objektiv wollen. Und wir wissen, was unsere Parteivertrauten, vor allem aus der SPD, sagen, was wir wissen und zu schreiben haben. Ebenso von den Anzeigenkunden. Die wissen schließlich am besten, was für die jeweilige Klientel das Beste ist. Und das machen schließlich alle so. Das ist ein bewährtes System.

Das war schon immer so und nur weil Sie das stört, werden wir daran noch lange nichts ändern. Und solche Leute wie der Bader, der schon ewig keine Anzeigen mehr bei uns schaltet – wieso sollte der vorkommen? Geht’s noch? Glauben Sie, wir machen das alles nur aus einer “Verpflichtung der Öffentlichkeit” gegenüber? Auf welchem Stern leben Sie denn?

Und was meinen Sie mit unbedarfte Leser? Ist uns doch egal, wer der Leser ist, Hauptsache, das Abo ist bezahlt. Und zwar pünktlich.

Sie mit Ihrem ganzen Gedöns von Qualität sind doch nur ein Selbstdarsteller, den keine Zeitung haben wollte. Genausowenig wie Zeitungen dieses Idioten-Internet brauchen.

Und damit Sie es wissen: Wir werden Sie einfach weiter ignorieren. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir auch nur einem unserer Leser zumuten, seine bislang gewohnte Sicht der Welt zu verändern?

Selbst der Oberbürgermeister spricht immer nur von Zeitungen und nicht von Blödmann-Blogs. Reicht Ihnen das als Antwort?

Mit genervten Grüßen

C.P.

P.S. Diese Nachricht ist streng vertraulich und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette .

  • weinheimerin

    Enttäuschend und beschämend, dass Propp zwar jeden Tag die Zeitung vielschreibt, aber hier keine Antwort zustandebringt.

    Beim Thema Doppelfunktion muss sich Herr Prothmann allerdings selber an die Nase fassen, war er doch lange Gemeinderat in Heddesheim, über den er parallel dann auch als Journalist kritisch berichtet hat. Wer im Glashaus sitzt…

    • Redaktion

      Guten Tag!

      Das beantworte ich Ihnen gerne persönlich. Ihr Vergleich ist nicht zutreffend.

      Ich habe in meiner dreijährigen Funktion als partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim weder Fremdtexte als eigene Produkte veröffentlicht, noch als Mitglied des Gemeinderats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Gemeinde gemacht – wenn man den Gemeinderat mit einer Art “Vereinsvorstand” vergleichen möchte.

      Ganz im Gegenteil habe ich bei Berichten zum Gemeinderat immer transparent gemacht, dass ich diesem als ehrenamtliches Mitglied angehöre und gleichzeitig verantwortlicher Redakteur bin. Sie können gerne versuchen an Texten zu belegen, ob ich nicht transparent vorgegangen bin. Sie werden nichts finden.

      Wenn ich nicht eindeutig journalistisch veröffentlicht habe, habe ich die Kolumne “Der gläserne Gemeinderat” benutzt: /category/nachrichten/artikel/politik-wirtschaft/der-glaserne-gemeinderat/

      Trotzdem ist die Doppelfunktion grundsätzlich heikel und erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin, um die Ebenen nicht “zu verwechseln”. Als ich das Mandat wegen Umzugs aufgeben musste, habe ich das gegenüber meinen Wähler/innen nicht gerne getan, andererseits hat sich aber eine zulässige Fragwürdigkeit damit erledigt.

      Allerdings ebenso eine bedeutende Einschränkung – wegen der Verschwiegenheitspflicht waren mir journalistisch teils “die Hände gebunden” und der Bürgermeister Kessler hat mir mit Ordnungsgeld gedroht, als ich einmal an einer nicht-öffentlichen Sitzung zu einem Thema, über das ich berichten wollte, nicht teilnehmen wollte.

      Weiter habe ich in vielen Texten die Leser/innen immer wieder darauf hingewiesen, dass “objektiver Journalismus” eine Mär ist. Journalistische Arbeit ist immer subjektiv.

      Die Berichterstattung war immer kritisch – gegenüber allen Fraktionen. Kritik schließt auch positive Darstellungen mit ein.

      Es gibt auch keine Texte, in denen so getan wird, als ob jemand einer Situation beigewohnt hätte. Entweder sind ich oder einer meiner Mitarbeiter vor Ort und schildern selbst erlebtes oder es wird die Quelle genannt, sofern diese nicht aus Schutzgründen nicht genannt werden kann, was nur selten nötig ist. In den wenigen Fällen, in denen uns ein gravierender Fehler unterlaufen ist, haben wir diesen jeweils aus eigenem Antrieb korrigiert und diese Korrektur kenntlich gemacht.

      Wir schreiben auch keine Texte um und geben diese dann als unsere eigenen aus. Selbstverständlich verwenden wir auch in eigenen Texten fremdes Material, zumindest faktische Informationen, manchmal auch Formulierungen. Hier gibt es ein nachvollziehbares System:

      Sobald ein Text überwiegend ein Fremdtext ist, wird die Quelle vorab genannt. Sie erkennen das an der Zeile “Information von xy”.

      Sobald ein Text zu mehr als der Hälfte von einem Autoren ist, aber noch einiges an Fremdmaterial erhält, wird es ein Autorentext mit Hinweis auf verarbeitete Quellen. Entweder am Beginn des Textes durch die Kürzel wie “pol” für Polizei oder durch explizite Erwähung am Ende des Textes “mit Material von”.

      Sofern eine Information, egal ob einzelne Fakten oder Zitate von einer Quelle stammen, wird diese jeweils genannt oder ist eindeutig aus dem Umfeld zu erschließen. Wenn ein Text sich überwiegend auf eine Quelle bezieht, wird diese je nach Textlänge wiederholt und damit deutlich gemacht, woher die Informationen stammen.

      Mitarbeiter dürfen Parteien oder Vereinen oder sonstigen Institutionen angehören. Alle haben dies aber gegenüber der Redaktionsleitung anzuzeigen. Dann wird je nach Thema und Relevanz entschieden, ob ein Interessenkonflikt gegeben sein könnte. Wer ein Amt innehat, darf überwiegend nicht berichten. Jetzt könnten Sie einwerfen: “Sic! So war das doch in Heddesheim mit Ihnen.” Richtig. Ich hatte in der Anfangszeit keine Mitarbeiter, die in der Lage waren, über die Sitzungen zu schreiben. Also habe ich die oben beschriebene Lösung gewählt. Und man darf mir vielleicht noch anrechnen, dass ich meine Funktion nicht genutzt habe, um mich “beliebt” zu machen oder irgendeinen sonstigen Nutzen daraus zu ziehen.

      Schöne Grüße
      Hardy Prothmann

  • http://www.WeinheimPlus.de Peter Lautenschläger

    … es bleibt eine Unsitte, und bisweilen eine Frechheit hier und da anonym (d.h. ohne Klarnamen) agieren zu wollen.

    Genau hierin besteht auch das von Prothmann aufgezeigte Problem: Die Quelle -der Pressesprecher der Verwaltung- wird nicht angegeben. Und weiter: Der Pressesprecher der Verwaltung gibt nur selektierte Zitate weiter. Welche Zitat Herr Kern von und für (?) Weinheim Plus ab- bzw. weitergegeben hat – diese Frage ist offen.

    Transparente Öffentlichkeitsarbeit oder gar seriöser Journalismus sehen anders aus!

  • konig

    Lieber Herr Prothmann,
    es ist immer wieder erstaunlich mit welchen Themen sie ihre Leser versorgen. Ich persönlich finde das angesprochene Thema nicht interessant genug um daraus eine solche “Hetze” zu machen. Propp und andere, vor allem bei den gedruckten Zeitungen, würden sicher gerne mehr Qualität abliefern. Wie sie aber selbst am besten Wissen haben diese Redaktionen gar keine Zeit Qualität zu liefern. Dies liegt meiner Meinung nach aber nicht an den Mitarbeitern, sondern an der Geschäftsführung der Verlage. Die Zeitung muss voll werden. Viele Buchstaben und große Bilder. Qualität ist zu teuer. Die Auflagen nahezu aller Zeitungen gehen zurück, hier hat man versäumt in der Vergangenheit die Weichen richtig zu stellen für die Zukunft. Das ist aber alles bekannt und wird vielerorts diskutiert. Dass man sich heutzutage besser, schneller und günstiger bei den Onlineportalen informieren kann ist ebenfalls bekannt. Hier sind die Betriebskosten lange nicht so hoch, Bildergalerien und die Übersichtlichkeit sind für den Leser ebenfalls wichtige Gesichtspunkte, warum sie den gedruckten Zeitungen immer mehr den Rücken kehren. Es liegt also nicht nur an den Journalisten dass die Qualität der Zeitungen zu wünschen übrig lässt. Ich behaupte, dass die Redakteure gerne besser arbeiten würden, wenn sie denn dürften. Dass, wie in diesem Fall, Herr Propp Zitate veröffentlicht, obwohl diese erst nach seinem Abgang vom Termin gefallen sind, heißt doch noch lange nicht, dass diese gefallen sind. Der Vorteil Ihnen gegenüber liegt sicherlich darin, dass die Zeitung, in diesem Fall Herr Propp, wohl nachtelefoniert hat. Das ist doch völlig legitim und auch Qualität. Kann es sein dass es sie nur ärgert, dass sie diese Möglichkeiten nicht haben, weil man ihnen nur ungerne Informationen außerhalb öffentlicher Sitzungen mitgibt? Dass dem so ist haben sie sich allerdings selbst zuzuschreiben. Denn Qualitätsjournalismus heißt nicht auch “Haudrauf-Journalismus”, den sie, mit Verlaub, gerne praktizieren. Fairness geht jedenfalls anders. Sie haben solche Methoden eigentlich auch gar nicht nötig finde ich. Noch dazu ist es doch jeder Zeitung und jedem Portal selbst überlassen ob man Qualität abliefert oder nicht. Sie, und auch kein anderer, haben das moralische Recht sich so auszulassen. Der Leser, speziell der Abonnent, wird selbst entscheiden ob er Qualität bekommt oder nicht und ob ihm diese ausreicht oder nicht. Ich finde es, leider mal wieder, dass sie hier einen guten Stil an den Tag legen. Ich meine, wenn sie in ihren Blogs, teilweise, nur Pressemeldungen von Gemeinden, oder mal zwei, drei Tage gar nichts veröffentlichen, hat das objektiv gesehen auch nichts mit Qualität zu tun. Es gibt immer etwas zu berichten, in jeder Gemeinde. Aber dazu braucht man Personal, das bezahlt sein will, um diese Sachen zu berücksichtigen. Das tun sie nicht. Deshalb würde es uns, als Leser ihrer Blogs, aber auch der Tageszeitung, durchaus freuen wenn sie selbst mehr abliefern würden. Ich kann jedenfalls nicht auf die Zeitung verzichten, weil ich durch ihren Blog nichtmal annähernd ausreichend informiert werde. Dieser Tatsache müssen sie auch ins Auge sehen. Und nicht nur auf den anderen “rumhacken”.
    M.Konig

  • Redaktion

    Guten Tag M. Konig!

    Sie haben leider den Text nicht verstanden. Lesen Sie ihn einfach nochmal.

    Sie haben leider auch noch längst nicht verstanden, dass hinter jedem Text Menschen, also “Persönlichkeiten” stecken – die Druckindustrie ist erheblich industrialisiert, aber für den wahren “objektiven Journalismus” fehlen leider noch die maschinisierten, zertifizierten Schreibroboter. Die subjektiven, menschlichen, gibt es schon lange.

    Selbstverständlich ist die Definition von Qualität immer eine subjektiv-individuelle. Peer Steinbrück dringt kein Glas Pinot Grigio unter 5 Euro, andere bezahlen rund 25 Euro für tägliche Nachrichten von gestern und die auch häufig nur “zugeschickt”. Das erinnert an den Italiener, bei dem man essen geht und der eine Portion Lasagne von “gut&günstig” für Sonderpreis 0,89 Cent aufwärmt und für 8,50 Euro verkauft.

    Jeder entscheidet selbst, was er konsumiert.

    Auch von Fairness haben Sie leider eine andere Vorstellung als ich: Fairness unter meiner Leitung heißt – die Leser/innen können sich auf unsere Berichte und Quellen verlassen. Um es deutlich zu sagen: Wir verarschen sie nicht.

    Und Fairness heißt auch: Wir sagen, wer Foul spielt. Das machen wir öffentlich – das ist unser Job. Das ist unser Verständnis von Journalismus statt Bratwurst.

    Und um auch diesen Teil Ihrer eigenartigen Weltsicht zu erschüttern: Ich habe das recht, moralische Fragen zu stellen, meine Mitarbeiter haben das Recht dazu, die Kommentatoren haben das Recht dazu – jeder hat das Recht dazu.

    Die entscheidenden Fragen sind: Wer will es wem wie Recht machen oder wem weiß machen, was Recht ist?

    Das ist Ihnen bestimmt zu kompliziert, deswegen lesen Sie ja auch Zeitung – das macht Ihre Welt “einfacher”.

    Ich widerspreche Ihne auch bei Ihrer Kritik an unserer Qualität – Sie nutzen diese kostenfrei. Wir sind ein kleines Team, das sehr engagiert arbeitet. Sie bezahlen dafür nichts – vermutlich denken Sie, weil Sie für ein Zeitungsabo bezahlen, bekommen Sie auch Qualität. Denken Sie mal drüber nach, ob Sie sich selbst auf den Arm nehmen oder gerne von anderen auf den Arm genommen werden. Sie entscheiden über Ihre Meinung selbst

    Richtig ist – wir müssen leider immer wieder Mut zur Lücke haben und haben damit kein Problem. Manchmal passiert wenig bis nichts, dann berichten wir auch wenig bis nichts. Formatierte Medien berichten auch nichts, wenn nichts passiert, aber immer im Format von soundsoviel Seiten oder soundsoviel Sendezeit. Können Sie das gedanklich durchdringen? Nein? Ein Versuch ist es wert.

    Richtig ist auch – meine Mitarbeiter verdienen im Vergleich zu dem, was andere Medien zahlen mehr. Und das motiviert meine Mitarbeiter neben einem sehr angenehmen Arbeitsklima.

    Richtig ist auch – Sie entscheiden, wie alle anderen selbst, welche Medien Sie konsumieren möchten. Ich freue mich sehr, wenn Sie von uns mehr erwarten – das “mehr” werden wir auch nach und nach liefern.

    Und richtig wäre auch, wenn Sie über meinen Kommentar ein wenig nachdenken könnten und vielleicht Ihre Meinung anpassten, aber das will ich gar nicht erwarten, denn Meinungen sind oft fest und starr und Ihr Kommentar erscheint mir nur vordergründig offen.

    Deswegen mein Tipp: Zahlen Sie weiter für die Desinformation der täglichen Tageszeitungsberichterstattung. Hängen Sie weiter dem Mythos nach, ein informierter Bürger zu sein. Ignorieren Sie das Internet, das ist der letzte Dreck. Und machen Sie auf keinen Fall den Fehler, sich auf eine Debatte einzulassen, die Sie nur verlieren können.

    Beste Grüße
    Hardy Prothmann