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Mittwoch, 18. September 2013

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Gabis Kolumne

Das Kreuz mit dem Kreuz

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Rhein-Neckar, 16. September 2013. Nächsten Sonntag ist Bundestagswahl und wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Gabi macht sich darüber so ihre eigenen Gedanken. Und auch, wenn sie schon weiß, wo sie ihre Kreuze machen wird, ist sie damit nicht wirklich zufrieden.

musterstimmzettel_Btw2013 Wissen Sie schon, wen bzw. was Sie wählen? Ich weiß es, aber ich bin alles andere als glücklich darüber. Die Entscheidung ist wie die zwischen Pest und Cholera. Wenn ich meine Kreuzchen machen werde, mache ich es nicht aus Überzeugung, sondern weil ich die anderen NICHT wählen kann aus Überzeugung.

Die Parteien in der Mitte sind ohne Profil und angeführt von Menschen ohne Charisma. Wie schön war es noch als es Politiker wie Strauß gab, da konnte man sich aufregen und wüten, da konnte man Position beziehen. Jetzt wählt man zwischen langweilig und unsympathisch.

Vorbei die Zeiten der dramatischen Gesten und Anekdoten: Brandts Kniefall oder der junge Schroeder, der angeblich als junger Mann vor den Toren des Bundeskanzleramtes – im betrunkenen Zustand – an den Toren rüttelte und rief, „ich will hier rein“.

Heute gibt es nur noch Aufreger, wenn Steinbrück den Stinkefinger zeigt. Von den Medien und der Opposition vollkommen überbewertet, aber wer mag’s ihnen verdenken, wo der Wahlkampf sonst wenig Persönliches bietet.

Das Kreuz der Erstwähler

Mein Sohn gehört zu den Erstwählern, was wird seine Wahl entscheiden? „Die Merkel kann ich nicht wählen“, erklärt seine Freundin, „denn sie ist gegen die Adoption bei homosexuellen Paaren“ und sie habe schließlich schwule Freunde. Ein anderer Jungwähler meinte, „Deutschland geht es doch richtig gut, warum sollte ich dann die Opposition wählen?“

Ist es der Wahlkampf der Nischen? Entscheiden Tierschutz, Homoehe oder Kopftücher über die nächste Regierung?

Auch eine meiner Kolleginnen ist Erstwählerin, sie ist Engländerin und lebt seit fast 40 Jahren in Deutschland. All die Jahre durfte sie ihre Stimme nicht abgeben, doch vor zwei Jahren hat sie sich einbürgern lassen und ist jetzt ganz verzweifelt. In all den vergangenen Jahren habe sie immer gewusst, wen sie wählen würde, doch jetzt „ich weiß es wirklich nicht“.

Richtig links oder doch lieber “liberal”

„Ich glaub’, ich wähle in diesem Jahr links und zwar richtig links“, erklärte eine Freundin beim Mädelsabend und erntete entsetzte Blicke. „Bei den Wahlplakaten weiß ich wenigstens, wofür sie stehen, alle anderen dreschen doch nur hohle Phrasen.“

Die Angst vor Rot-Rot-Grün wird die konservativen Wähler bestärken, der schon tot geglaubten FDP möglicherweise nochmals eine Gnadenzeit zu gewähren (nicht in Bayern), denn letztlich möchte man den „Liberalen“, den schlechten Erben der großen Politiker wie Genscher und Co., nicht den Todesstoß erteilen.

Wir hier im Süden, im Ländle, waren vor drei Jahren bei den Landtagswahlen noch mutig nach vorne geprescht und hatten der „schwarzen“ Regierung nach Jahrzehnten eine Absage erteilt und einer grün-roten Regierung das Vertrauen ausgesprochen. Doch die Ernüchterung ist groß, der Stuttgarter Bahnhof wird gebaut und eine übereilte Schulreform sorgt für unausgegorene Schulformen wie Gemeinschaftsschulen und Lehrerabbau. Da hilft auch nicht, wenn man den Landesvater grundsätzlich sympathisch findet.

Der Wahlausgang wird demnach wohl auch höchst unspannend. Alles wird bleiben wie es ist. Es sei denn, die FDP wird die 5-Prozent-Hürde nicht nehmen, dann wird eine große Koalition wahrscheinlich, aber ist das die bessere Alternative?

Ich weiß, wo ich am Sonntag eine Kreuzchen machen werde, aber überzeugt bin ich nicht davon.

gabi

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