Donnerstag, 25. Dezember 2014

« »
Elfi Rentrop und Albrecht Lohrbächer nahmen für den AK Asyl den Rolf- Engelbrecht-Preis für Verdienste um die Integration entgegen

30 Jahre gelebte Empathie

Weinheim, 17. November 2014. (red/pm) Es war eine Preisverleihung mit großer Symbolkraft. Ein Jahr bevor die ersten von 240 Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten dieser Welt auch in Weinheim aufgenommen werden, wurde der Rolf-Engelbrecht-Preis für Integration jetzt an den Arbeitskreis Asyl vergeben, der schon vor fast 30 Jahren begonnen hat, Flüchtlinge in Weinheim zu betreuen.

Information der Stadtverwaltung Weinheim:

“Die beiden Gründer Elfi Rentrop und Albrecht Lohrbächer nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Der Rolf-Engelbrecht-Preis, der nach dem früheren Weinheimer Oberbürgermeister benannt ist, wird für ein kulturell vielfältiges und demokratisches Miteinander in Weinheim verliehen. Preisgeber und Jury sind neben der Stadt die Freudenberg-Stiftung und die Bürgerstiftung.

Oberbürgermeister Heiner Bernhard ging in seiner Begrüßung und Laudatio auf die aktuelle Lage ein und beschrieb: „Deutschland und andere europäische Länder erleben derzeit einen enormen Flüchtlingsandrang. Allein in der Bundesrepublik könnte die Zahl der Asylbewerber in diesem Jahr auf 200.000 steigen – ein Plus von 70.000 gegenüber dem Vorjahr. Doch dies ist erst der Anfang.“ Allein wegen des Bürgerkriegs seien in den vergangenen Jahren bis zu fünf Millionen Syrer in die Nachbarstaaten geflüchtet.

Die beiden Gründer Elfi Rentrop und Albrecht Lohrbächer nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Foto: Stadt Weinheim

Die beiden Gründer Elfi Rentrop und Albrecht Lohrbächer nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Foto: Stadt Weinheim

Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen führe auch das enorme Wohlstandsgefälle zwischen Europa und Afrika zu einer Sogwirkung: Unter den Asylbewerbern seien somit auch viele, die oft als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet werden. Bernhard: „Aber dieser Begriff spielt die Not herunter, die die Menschen aus ihrer Heimat vertreibt.“

Er erinnerte daran, dass Weinheim bereits seit Mitte der 80er-Jahre Flüchtlinge aufnimmt. Seit dieser Zeit gebe es auch ein Netzwerk, das diese Menschen unterstützt und betreut, ihnen dabei hilft, sich in den inneren und äußeren Verhältnissen ihres Aufenthaltsortes zurechtzufinden. 1985 gründeten Pfarrerin Elfi Rentrop und Pfarrer Albrecht Lohrbächer diesen Arbeitskreis Asyl.

Der Preis sollte laut Beschreibung auch der Ermutigung dienen, betonte der OB und erklärte: „Diese Ermutigung ist in diesen Tagen besonders wichtig. Durch die Arbeit des Arbeitskreises Asyl gibt es in Weinheim eine in drei Jahrzehnten entwickelte Struktur und Erfahrung, aber auch eine gelebte Empathie, eine echte Willkommenskultur als Grundlage für die Bewältigung künftiger Aufgaben. In den vergangenen Wochen hat sich der Arbeitskreis Asyl mit seiner Erfahrung und Kompetenz engagiert in die Diskussion eingebracht. Davon können wir alle profitieren.“

Oberbürgermeister Rolf Engelbrecht

Bernhard hatte zuvor auch erklärt, wie es zu dem Preis gekommen ist. Der Lebensweg Rolf Engelbrechts spiegle einen bedeutenden, einen schicksalhaften Abschnitt deutscher und europäischer Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wider. Nach dem Jurastudium wurde er 1932 als Rechtsanwalt zugelassen. Im Mai 1933 wurde seine Zulassung bei der Rechtsanwaltskammer rückgängig gemacht. Einziger Grund: Seine Mutter stammte aus einer jüdischen Familie.

1948 wurde Rolf Engelbrecht zum Oberbürgermeister Weinheims gewählt. Es war die erste Volkswahl, die erste Oberbürgermeisterwahl durch die Gemeindebürger. Die Entwicklung der Stadt war rasant in seiner Amtszeit, die 1966 endete, als Rolf Engelbrecht viel zu früh an den Folgen eines Verkehrsunfalles verstarb. Doch das allein sei nicht entscheidend gewesen für die Wirkung, die von Rolf Engelbrecht ausging, so der OB. „Denn er prägte diese Zeit, er prägte Weinheim mit den Eigenschaften Menschlichkeit, Toleranz, Warmherzigkeit.“

Rolf Engelbrechts Sohn Christoph überreichte den Preis an die beiden Asyl-Vorkämpfer persönlich. „Ich bin mir sicher“, erklärte er, „mein Vater wäre heute sehr stolz gewesen.“ In einem Zwiegespräch erläuterten Rentrop und Lohrbächer ihre Arbeit, die vor 30 Jahren „etwas naiv“ (Lohrbächer) begonnen habe. Die beiden Theologen betonten auch, dass es für sie eine Aufgabe christlicher Nächstenliebe sei, Menschen in Not aufzunehmen.

Erinnerungen

Elfi Rentrop schilderte bewegende Erinnerungen aus dieser Zeit. Gleichzeitig machten beide aber auch Mut, den im nächsten Jahr eintreffenden Menschen mit offenen Armen und Herzen zu begegnen. In den vergangenen Wochen seien rund 30 neue ehrenamtliche Helfer zum AK Asyl gestoßen. Auch das Preisgeld werde gleich in weitere Flüchtlingsprojekte fließen. Albrecht Lohrbächer rief bei der Verleihung im Alten Rathaus dazu auf, die Ankunft der Menschen positiv zu sehen.

Im Zuge der letzten 30 Jahre habe es immer wieder Menschen gegeben, die in Weinheim ansässig geworden sind und die Stadt sogar wirtschaftlich und gesellschaftlich vorangebracht haben.”

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette .

Kommentare mit/ohne Passwort

Sie können sich über Dienste wie Facebook oder Twitter einloggen oder direkt bei Disqus. Wenn Sie lieber anonym kommentieren möchten , wählen Sie bitte: Ich schreibe lieber als Gast. Dann geben Sie den Namen ein, unter dem Sie kommentieren wollen und los geht es.