Sonntag, 11. Januar 2015

Die Stadt ehrte ihre erfolgreichsten Sportler – Große Investitionen stehen an

Weinheimer Weltmeister

Die Stadt Weinheim ehrt ihre erfolgreichsten Sportler 2014. Foto: Stadt Weinheim

Weinheim, 09. Dezember 2014. (red/pm) Ein Weltmeister der Nationalmannschaft, die im Sommer in Brasilien den Titel holte, kommt aus Weinheim, genauer aus Wünschmichelbach. Allerdings gehört Jonas Schröter vom TV Wünschmichelbach nicht zu Jogis Jungs, sondern zur Weltmeistermannschaft des deutschen Faustballverbands. Und auch diese WM fand tatsächlich in Brasilien statt. [Weiterlesen…]

Elfi Rentrop und Albrecht Lohrbächer nahmen für den AK Asyl den Rolf- Engelbrecht-Preis für Verdienste um die Integration entgegen

30 Jahre gelebte Empathie

Die beiden Gründer Elfi Rentrop und Albrecht Lohrbächer nahmen den Preis stellvertretend entgegen. Foto: Stadt Weinheim

Weinheim, 17. November 2014. (red/pm) Es war eine Preisverleihung mit großer Symbolkraft. Ein Jahr bevor die ersten von 240 Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten dieser Welt auch in Weinheim aufgenommen werden, wurde der Rolf-Engelbrecht-Preis für Integration jetzt an den Arbeitskreis Asyl vergeben, der schon vor fast 30 Jahren begonnen hat, Flüchtlinge in Weinheim zu betreuen. [Weiterlesen…]

Zhonglous Interesse wächst

Offizielle Delegation im Rathaus empfangen

Offizielle Delegation aus Zhonglous

Weinheim, 23. Oktober 2014. (red/pm) Oberbürgermeister Heiner Bernhard empfing eine Delegation aus der chinesischen Provinz Jiangsu. Weinheim sei “Teilen Chinas ein Begriff” und werde “auch in der Wirtschaft wahrgenommen”, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

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Plakatwettbewerb zur Alkoholprävention gestartet

“Bunt statt Blau”: Schüler gegen Komasaufen

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Weinheim, 24. Februar 2014. (red/jsc) Die DAK will mit ihrer Plakataktion “Bunt statt Blau” ein Zeichen gegen Komasaufen setzen. Die jungen Menschen sind dazu aufgefordert bunte Bilder zu malen, die vor dem Rauschtrinken warnen. Schöner Nebeneffekt dabei: Die Schüler denken über ihren eigenen Konsum nach. [Weiterlesen…]

Gemeinderat verabschiedet Haushaltsplanung für 2013

Der Plan: Große Investitionen, ohne neue Schulden

Weinheim, 04. März 2013. (red/aw) Der Weinheimer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 27. Februar die Haushaltsplanung 2013 verabschiedet. Die Planung sieht große Investitionen für Schulen, Kultur und Vereine vor und soll trotzdem ohne neue Schulden auskommen. Insgesamt hat sich die finanzielle Lage der größten Stadt im Rhein-Neckar-Kreis verbessert. Mit deutlicher Mehrheit stimmte der Gemeinderat dem Beschlussantrag der Stadtverwaltung zu. [Weiterlesen…]

Gemeinderat verabschiedet neue Buslinien

Warten auf den Bus

Weinheim, 29. Januar 2013. (red/ld) Ab Dezember 2013 wird Busfahren attraktiver. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 23. Januar Verbesserungen für den öffentlichen Personennahverkehr beschlossen. In den Hanglagen der Südstadt kommt man zudem schneller zum Bus. Das Neubaugebiet Lützelsachsen-Ebene bekommt eine eigene S-Bahn-Haltestelle. Als zentraler Umsteigeplatz aller Buslinien wird ab dem Winterfahrplan der Omnibusbahnhof am Hauptbahnhof dienen, von dem Fahrgäste in alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen können. Der Gemeinderat begrüßte das Konzept, kritisierte aber, dass es nicht weit genug greife. [Weiterlesen…]

FDP-Stadtrat Breiling "verbabbelt" sich - Oberbürgermeister Bernhard verlässt kopfschüttelnd den Saal

Wohnungsverkauf bringt sechs Millionen Euro

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Sechs Millionen Euro soll der Verkauf der 209 Wohnungen in der Stettiner und Breslauer Straße bringen. Oberbürgermeister Bernhard war fassungslos ob der unüberlegten “Veröffentlichung” der “geheimen Zahl” durch FDP-Stadtrat Günter Breiling heute im Hauptausschuss.

Weinheim, 16. Januar 2013. (red/hp) Sechs Millionen Euro bringt der Verkauf der 209 Wohnungen in der Stettiner Straße. Das erklärte soeben FDP-Fraktionsvorsitzender Günter Breiling in der laufenden öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses. Damit hatte sich der Gemeinderat offenbar “verbabbelt”. Fassungslos starrte Oberbürgermeister Heiner Bernhard den Stadtrat Breiling einige Sekunden lang an und rang nach Worten: “Das gibt’s nicht! Das glaub ich jetzt nicht!”

Breiling ließ sich durch den sichtlich empörten Oberbürgermeister nicht aufhalten und redete seelenruhig in seiner monotonen Art weiter. Bernhard konnte sich nicht beruhigen. Kopschüttelnd verließ er den Saal. Der Erste Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner übernahm die Leitung. Erst einige Minuten später kam er wieder zurück, schluckte die Empörung über diese Form der “Veröffentlichung” durch die Äußerung Breilings herunter und nahm die Sitzungsführung wieder in die Hand.

Im Dezember hat der Gemeinderat beschlossen die 209 Wohnungen in der Stettiner und der Breslauer Straße an die Familienheim Rhein-Neckar e.G. zu verkaufen. Zu den Konditionen und dem Verkaufspreis wollte die Stadtverwaltung sich damals nicht äußern. Unseren Bericht lesen Sie hier: Familienheim soll Stadtwohnungen kaufen .

Neujahrsempfang im Rathaus

„Wo das Wir mehr gilt als das Ich“

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„Bas Gret und Vetter Phillp“ überreichten eine riesige Neujahrsbrezel an Bürgermeister Heiner Bernhard. Foto: Stadt Weinheim.


Weinheim, 07. Januar 2013. (red/pm) Als Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard am Dreikönigstag nach den Böllerschüssen aus der Kanone beim Neujahrsempfang zu seinen Bürgerinnen und Bürgern sprach, da war seine Rede, die aus diesem Anlass traditionell etwas Grundsätzliches hat, mit Daten und Fakten gespickt. Und dennoch lag ein besonderer Schwerpunkt woanders.

Information der Stadt Weinheim:

“Der Schwerpunkt lag auf dem Miteinander in der Stadt, auf dem, was „wir in Weinheim gerne die kommunale Verantwortungsgemeinschaft nennen“ (so der OB), auf „Heimatgefühl“ und darauf „dass man füreinander da ist und füreinander einsteht“, auf einer Stadt, „in der das Wir mehr gilt als das Ich“. Dies sei es, so der OB, was „eine Stadt in ihrem Innern ausmacht“.

Kommunale Verantwortung

Die Bürgerinnen und Bürger reagierten mit spontanem Applaus – und dieses Gemeinschaftsgefühl war in allen Ecken des Rathaussaals zu spüren. Heiner Bernhard erklärte diesen Geist der kommunalen Verantwortung an drei Beispielen, an Begebenheiten, die er selbst in der Weihnachtszeit erlebt hatte, die ihn beschäftigt und aufgewühlt haben.

Das sei erstens die Entscheidung des Gemeinderats über den Umgang mit über 200 Wohnungen in der Breslauer- und der Stettiner Straße gewesen. „Die Art und Weise wie dabei die sozialen Belange der betroffenen Mieterinnen und Mieter höher gestellt wurden als das Interesse der Stadt daran, möglichst viel Geld einzunehmen, verdient großen Respekt“, findet er.

Die zweite Geschichte handelte von der Typisierungsaktion für den leukämiekranken Jacob aus Mörlenbach, an der sich Tausende Menschen beteiligt haben.

Und drittens gab es noch eine Bitte, ein großer Wunsch einer sozial schwach gestellten und kinderreichen Weinheimer Familie, bescheiden und zaghaft vorgetragen. Zwei Jungs, die sich eine Dachkammer teilen, hatten zu Weihnachten nur einen großen Wunsch: Jeder ein eigenes Bett. Bernhard beschrieb: „Meine Mitarbeiter im Rathaus haben dann sehr schnell eine Spendenaktion in Bewegung gesetzt. Die Resonanz war erfreulich groß und beeindruckend herzlich. Wir als Verwaltung haben unseren Anteil beigesteuert und bald war die Familie mit einem ansehnlichen Geldbetrag im Möbelhaus – die Betten für die beiden Jungs standen unterm Christbaum.“

Der OB: „Ich danke Ihnen dafür, dass wir diese Idee der kommunalen Verantwortungsgemeinschaft zusammen leben können – in dieser Stadt und für diese Stadt. Lassen Sie uns diesen Weg weiter gemeinsam gehen.“

Zuvor hatte der Rathauschef appelliert, auch in Zeiten guter Konjunktur und sprudelnder Steuerquellen nicht euphorisch zu werden. „2012 war für Weinheim ein erfolgreicher Zeitabschnitt, ein Jahr, in dem es mit vielen Projekten entscheidend voran ging und das in mancherlei Hinsicht deutlich besser verlief als geplant, aber wir in den Kommunen dürfen nicht leichtsinnig werden und nicht vergessen, die dauerhafte Ertragskraft unserer Verwaltungshaushalte im Blick zu behalten.“

Es seien gerade die Aufgaben, zu denen sich eine Gemeinde ohne staatlichen Druck bekenne, die freiwilligen Leistungen, die das Profil eines Gemeinwesens, die Lebensqualität einer Stadt ausmachen, ihre Besonderheit: Volkshochschule, Musikschule, Stadtbibliothek, Soziale Vielfalt, Brauchtumspflege, Vereinsleben und Kultur. Bernhard: „Von den Kürzungen der letzten Jahre ist da kein Bereich verschont geblieben. Aber im Bestand gefährden wollen und sollten wir diese Stärken Weinheims nicht.“

Bildung, Integration, Energieeffizienz, Bürgerbeteiligung und Demographischer Wandel

Die zentralen Themen, versicherte er, bleiben auf der Agenda: Bildung, Integration, Energieeffizienz, Bürgerbeteiligung und Demographischer Wandel. Vor allem das Thema Bildung genieße in Weinheim zu Recht einen hohen Stellenwert. Beispiel: Mit dem neuen Schuljahr haben – auf drei Stellen – vier neue Schulsozialarbeiterinnen ihre Tätigkeit aufgenommen. Das Übergangsmanagement, also die Kommunale Koordinierung der Aktivitäten rund um den Übergang von der Schule in die Berufswelt , ist jetzt dauerhafte Aufgabe der Stadt Weinheim.

Besonders erfreulich sei der kürzlich im Gemeinderat gefasste Beschluss zur Schulentwicklung Weststadt. Mit dieser Entscheidung habe man nun die einmalige Chance, Synergien herzustellen und zu nutzen und auf große und damit teure Sanierungsvorhaben in Schulen verzichten zu können. Zugleich könne die Stadt dem Stadtarchiv und der Musikschule gute Lösungen bieten und insgesamt die Zahl der städtischen Immobilien reduzieren. Das senke unterm Strich auf Dauer die Kosten. Bernhard: „Dies wird ein Meilenstein werden hin auf dem Weg zu mehr Effektivität und Effizienz unseres Verwaltungshandelns. Und das sogar mit verbesserten pädagogischen Rahmenbedingungen.“

Die Kommunale Energiewende werde auch in Weinheim mit Eifer vollzogen, berichtete der OB und ergänzte: „Wir kümmern uns um Klimaschutz nicht, weil das chic geworden ist. Nein, wir wollen verantwortlich für unsere Umwelt handeln und Generationengerechtigkeit gewährleisten.“

Bernhard bekräftigte auch seine positive Einstellung gegenüber der Beteiligung von Bürgern in politischen Entscheidungsprozessen.

Wenn es auch – noch – keinen Bürgerentscheid in Sachen Breitwiesen oder Hammelsbrunnen gebe, die Beratung des Themas in einem Bürgerdialogverfahren, die engagierte Arbeit zufällig ausgewählter Bürgerräte, dieses Vorgehen habe die Stadt methodisch und inhaltlich bereichert.

2013 gibt es viel zu tun

Im begonnen Jahr 2013 gebe es viel zu tun. Begonnene Baumaßnahmen stünden vor der Fertigstellung, wie die Neugestaltung der Fußgängerzone und der Bau der Mensa im Werner-Heisenberg-Gymnasium. Auch werde man sich kräftig um den in die Jahre gekommenen städtischen Immobilienbestand kümmern.

Bernhard: „Das ist reine Werterhaltung.“ Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit der Schaffung des Zentralen Omnibusbahnhofs soll nun endlich Wirklichkeit werden. Auch für das Hallenproblem in Lützelsachsen, in Hohensachsen und in Oberflockenbach müsse eine Lösung gefunden werden. Bernhard: „ Diese kann aber nicht darin liegen, dass wir die Gesamtzahl unserer Gebäude, die ohnehin schon hoch ist, immer weiter erhöhen. Dies widerspräche auch Idee und Sinn der Gemeindereform von einst. „Unsere Aufgabe ist es, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten, Synergien zu nutzen und bestehende Liegenschaften zur Mitfinanzierung einzusetzen. Dazu müssen die Beteiligten – irgendwann – an einen Tisch.“

Klar bekannte sich der OB auch zur Ausweisung neuer Gewerbegebiete: „Wollen wir für eine auskömmliche Finanzausstattung Weinheims sorgen, ohne die Bürger mit höheren Steuersätzen zu belasten, müssen wir zusätzliche Steuerzahler gewinnen. Dies gelingt über die Einwohnerzahl und über die Zahl der angesiedelten Gewerbebetriebe. Dafür müssen wir dann aber auch ausreichende und passende Flächen anbieten können.“

Die Neujahrsansprache des OB war eingebettet in die traditionelle Zeremonie des Empfangs, in deren Verlauf Heiner Bernhard symbolisch den Rathausschlüssel an die Blütenprinzessin Yvonne I. übergab. Die Weinheimer Innungen überbrachten dem Rathauschef und der Bevölkerung die besten Wünsche, die Blüten-Symbolfiguren „Bas Gret und Vetter Phillp“ überreichten eine riesige Neujahrsbrezel, die Stadtkapelle und das Duo „Martin und Christian“ umrahmten den Empfang musikalisch.”

Master-Gewichtheberin des AC Weinheim trägt sich im Goldenen Buch der Stadt ein

Monika Pipke ist schwer beschäftigt

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Monika Pipke trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Weinheim ein. Foto: Stadt Weinheim.


Weinheim, 07. Januar 2013. (red/pm) Monika Pipkes Unterschrift ist mit leichter Feder aufgetragen. Aber die zarte Signatur, die seit einigen Tagen das Goldene Buch der Stadt Weinheim ziert, täuscht. Denn Monika Pipke hat enorme Kräfte in den Armen, Schultern und Fingern. Auf ihre Alters- und Gewichtsklasse bezogen ist die 52-jährige Wirtschaftsingenieurin sogar die stärkste Frau der Welt.

Information der Stadt Weinheim:

“Die Amateur-Gewichtsheberin aus den Reihen des Weinheimer Athletik Clubs AC ist in der Saison 2012 nicht nur deutsche Vizemeisterin der „Master-Klasse“ geworden (Ü35), zunächst bei den Europameisterschaften in Aserbaidschan, dann bei den Weltmeisterschaften in der Ukraine, gewann sie in den Gewichtsklassen bis 53 Kilo und bis 58 Kilo jeweils die Goldmedaille. Damit hält sich die zierliche Frau, die Mutter von drei eifrig trainierenden Nachwuchs-Gewichtshebern ist, schon seit vier Jahren in der Weltspitze ihrer Altersklasse.

Für Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard war es eine Ehrensache, die drahtige Sportlerin jetzt in seinem Dienstzimmer zu empfangen, um der Mehrfach-Meisterin einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt einzuräumen. Neben einer Delegation des AC – bestehend aus dem Vorsitzenden Heinz Lammer, Geschäftsführer Mathias Hörr und Trainer Peter Laudenklos – gehörte auch Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Krämer zu den Gratulanten.

Beim Weinheimer Energieversorger ist die Freizeit-Athletin im Hauptberuf als Leiterin des Kundenservice zuständig. Für ihren Chef sind die sportlichen Erfolge seiner Mitarbeiterin übrigens gut nachvollziehbar. Er bescheinigte: „So kennen wir Frau Pipke, was sie anpackt, das macht sie zu hundert Prozent.“

Die Naturin Viscofan GmbH präsentiert sich gut aufgestellt für die Zukunft

Naturin sagt “Ja” zum Standort Weinheim

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Der Oberbürgermeister Heiner Bernhard (3.v.l.) und der Erste Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner (4.v.l.) in den Arbeitshallen der Firma Weidler auf dem Gelände der Naturin Viscofan GmbH in Weinheim.

Weinheim, 29. November 2012. (red/aw) Es liegen ereignisreiche Jahre hinter der Naturin Viscofan GmbH: Strukturwandel, Produktionsverlagerung, Einführung neuer Technologien. Die Unternehmsleitung bestätigt den Standort Weinheim und investiert in die Zukunft der Kunstdarm-Produktion. Besonders im Bereich der Collagen-Wursthüllen ist die Naturin Viscofan GmbH am Weltmarkt erfolgreich.

Von Alexandra Weichbrodt

Im nächsten Jahr feiert die Naturin ihr 80-jähriges Bestehen am Standort Weinheim. Seit 30 Jahren ist sie fester Bestandteil der weltweit agierenden Viscofan-Gruppe. In Rahmen einer Firmenführung mit Presse und Stadtverwaltung bekannte sich das Unternehmen nun klar zum Standort Weinheim in der Metropolregion Rhein-Neckar. Das Weinheimer Traditionsunternehmen legt Wert auf zeitgemäße Produktionstechnik, um im weltweiten Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben.

Eine Mission und viele Visionen

Der Geschäftsführer der Naturin Viscofan GmbH Bertram Trauth führte aus, worauf es dem Unternehmen jetzt und auch in Zukunft ankommt:

Unser Ziel ist es besser, schneller und flexibler als alle anderen zu sein.

Die Aufgabe bestehe darin, das Optimum für den Kunden zu erreichen. Möglich wäre dies nur durch die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen für einen weltweiten Markt.

Die Basis dafür sei banal: Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sowie eine klare und einfache Mitarbeiter-Führung seien die Voraussetzung.

Wir arbeiten qualifiziert und leistungsorientiert. Wir sind kein Mädchenpensionat.

Geschäftsführer Bertram Trauth: “Wir sind kein Mädchenpensionat.”

Ausserdem liege es im Interesse des Unternehmens Entwicklung, Produktion und Vertrieb möglichst wirtschaftlich miteinander zu vereinen. Besonders im Bereich der Collagen-Produkte wolle man in Zukunft als Kompetenzzentrum agieren.

„Strukturwandel erfolgreich geschafft“

Der Markt im Produktions-Segment der “essbaren Hüllen” wächst. Die Grundlage für das Wachstum eines Unternehmens, wie der Naturin Viscofan GmbH, sei die beste Qualität, so der Technische Leiter Wilfried Schobel.

Die Entscheidung über die Einführung neuester Produktionstechnologien zur Herstellung von Collagen-Produkten fiel im Jahr 2007. Eineinhalb “heiße Jahre” später habe man die reibungslose Funktionalität der neuen Anlage erreicht:

Seit 2009 verwenden wir im Bereich der essbaren Hüllen die modernste Technik weltweit.

Die Super Fast Edible-Technologie (SFE) wird im nächsten Jahr sogar um ein weiteres Modul ergänzt. SFE Plus ist ein neu entwickeltes Trocknungssystem, mit dem die Energie noch effizienter genutzt werden kann, indem beispielsweise Luft mehrfach verwendet wird.

Die Naturin Viscofan GmbH sieht sich für die Zukunft daher gut aufgestellt:

Wir haben viel technologisches Potenzial unter unseren Mitarbeitern und außerdem starke Partner in der Region.

Zu den Partnern in der Region gehört auch die Firma Weidler aus Weinheim, die in den Firmengebäuden der Naturin einen eigenen logistischen Teil in der Produktions- und Vertriebskette betreibt.

Energiekosten sind ein immer stärker werdender Faktor

In Zukunft wird die Naturin Viscofan GmbH vor allem im Bereich Energiegewinnung weitere Maßnahmen ergreifen, um die steigenden Ausgaben für die benötigten Energien aufzufangen.

Man sei in Baden-Württemberg wahrscheinlich der größte private Stromverbraucher ohne eigenes Kraftwerk, so Schobel. Noch sei man zum Teil EEG befreit. Auch, wenn die Grenze des Verbrauchs von 14 Prozent “schwer zu erreichen” sei.

Bisher waren die Ausgaben der Naturin Viscofan GmbH “relativ stabil”. Allerdings sei mit Wegfall der EEG-Umlage ein deutlicher Anstieg zu erwarten. 2012 werden es noch etwa 11 Millionen Euro Energiekosten sein. Im Jahr 2013 rechnet man bereits mit Ausgaben in Höhe von 13,6 Millionen Euro.

Das Thema zwingt uns dazu, uns mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auseinander zu setzen,

Hier wolle man investieren, versichert auch Geschäftsführer Trauth. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll das Projekt “Kraft-Wärme-Kopplung”(KWK) in Angriff genommen werden. Wann genau eine Fertigstellung zu erwarten ist, weiß man derzeit aber noch nicht. Die Viscofan-Gruppe unterstützt die Installation von KWK-Anlagen. In Spanien und Mexiko sind die Unternehmen zum Teil bereits damit ausgestattet.

Zahlreiche Vertreter der Stadt waren zum Informationsvortrag der Geschäftsleitung erschienen.

Soziale Verantwortung

Oberbürgermeister Heiner Bernhard schätzt an der Naturin Viscofan GmbH besonders die “absolut hohe Identifikation des Unternehmens mit dem Standort Weinheim”:

Die Naturin ist für uns ein Ansprechpartner ohne Schwelle.

Doch neben gemeinschaftlichem Engagement für Kulturverantstaltungen, Schulen oder Vereinen legt das Unternehmen nach eigenen Angaben besonderen Wert auf eine “vorrausschauende Personalpolitik”.

Der Leiter der Abteilung “Personal und Soziales” Uwe Seehaus erläuterte, dass mit ein bisschen Flexibiliät fast jeder Auszubildene übernommen werden könne. Vielleicht nicht in seinem ursprünglich erlernten Tätigkeitsfeld, aber mit einer sicheren Beschäftigung im Unternehmen.

Der Oberbürgermeister lobt diese Einstellung:

Diese Art von Vorratspolitik ist aufgrund des demografischen Wandels wichtig und wird von der Naturin beeindruckend umgesetzt.

Mit einem Weiterbildungsbudget von 435.000 Euro im Jahr, werden Fachseminare, Talentprogramme, Workshops und Trainings der Mitarbeiter finanziert.

Die Unterstützung berufsbegleitender Qualifikationen ist für uns sehr wichtig,

betonte Seehaus. Daneben biete die Naturin Viscofan GmbH ihren 500 Arbeitnehmern in vielen Bereichen Leistungen, die “über den tariflichen Bestimmungen” lägen. Dazu gehöre die Bereitstellung von Arbeitskleidung und Schutzausrüstung ebenso, wie die flexiblen Möglichkeiten einer Freistellung für Mitarbeiter. Beispielsweise, wenn persönliche Umstände eine „häuslichen Pflege“ erfordern.

Rekord-Umsatz im Jahr 2011

Mit der finanziellen Entwicklung des Unternehmens ist die Geschäftsleitung äußerst zufrieden. Die Erträge der Naturin Viscofan GmbH “entwickeln sich fantastisch“. Im Jahr 2011 hat das Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 140 Millionen Euro ein Rekord-Ergebnis erzielt.

Zuvor hatte man sich 2010 im Zuge des Wandels von allen Risiken, wie beispielsweise Fremdwährungen, befreit.

Das hat Geld gekostet,

erklärte Bernhard Kissel, der Leiter des Finanzwesens der Naturin Viscofan GmbH. Daher habe die Umsatzkurve in der Übersicht im Jahr 2010 einen deutlichen Knick. Etwa 127 Millionen Jahresumsatz konnten damals verbucht werden. Im Folgejahr dann aber bereits das Rekord-Ergebnis und auch für die Geschäftsjahre 2013 und 2014 ist man optimistisch. Die Unternehmensleitung geht von einer weiteren Steigerung des Umsatzes auf 144 Millionen Euro im nächsten Jahr aus. Für 2014 rechnet man mit 147 Millionen Euro Gesamtumsatz.

Betrachte man den Markt der “essbaren Wursthüllen”, sei diese positive Entwicklung weiter fortzuführen bzw. noch auszubauen. Vertriebsleiter Alfred Bruinekool bestätigt, dass die Viscofan-Gruppe mit 32 Prozent Marktanteil im Collagen-Segment „deutlich führend” ist.

Der Wursthüllenmarkt bestehe zur einen Hälfte aus Natur- und zur anderen Hälfte aus Kunstdarm-Produkten. Im Kunstdarm-Bereich sei Collagen mittlerweile ein viel verwendeter Bestandteil. Die Produktionsleistung des Weinheimer Unternehmens mit Hilfe der SFE-Technologie sei “weltweit spitze”.

Die Investionen der letzten Jahr haben sich also durchaus gelohnt,

versichert Geschäftsführer Bertram Trauth. Allein im Jahr 2011 investierte die Naturin Viscofan GmbH rund 15 Millionen Euro in die technische Verbesserung der Produktion. Damit habe man die:

richtige Produktion mit der weltweit modernsten Technik.

Im Zusammenspiel mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern könne man so die Kunden zufrieden stellen.

Das ermöglicht uns “Ja” zum Standort Weinheim zu sagen. Sowohl der Standort als auch die Arbeitsplätze sind sicher.

So ganz ohne Entgegenkommen der Arbeitnehmer konnte dies allerdings nicht gewährleistet werden. Daher schloss die Naturin Viscofan GmbH mit ihren Beschäftigten einen Standortsicherungsvertrag ab. Dieser beeinhaltet die Bereitschaft der Angestellten bis 2016 wöchentlich 39,5 statt 37 Stunden zu arbeiten. Ohne zusätzliche Bezahlung. Im Gegenzug verpflichtet sich die Naturin keine Entlassungen durchzuführen.

Ein kompletter Wegzug des Unternehmens, wie von Kritikern – nach der Verlagerung eines Produktionssegments nach Serbien im Jahr 2007 – befürchtet, ist aufgrund dieser Tatsachen eher unwahrscheinlich.

“Wir sagen “Ja” zum Standort Weinheim.” Diese Aussage freut nicht nur die Beschäftigten der Naturin sondern auch die Stadt.

Interview mit den Köpfen der Bürgerinitiative "Schutz vor Bahnlärm"

“Wir brennen für unser Projekt”

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Die Männer der Bürgerinitiative “Schutz vor Bahnlärm” (v.l.n.r.): Joachim Körber, Peter Thunsdorff und Dr. Hans Irion.

Weinheim, 28. November 2012. (red/aw) Der Kampf um ein leiseres Weinheim ist noch nicht beendet. Die Bürgerinitiative “Schutz vor Bahnlärm” kämpft für ein unabhängiges Gutachten, dass aufzeigen soll, wie problematisch die Situation in Weinheim wirklich ist. Die Köpfe hinter der Bürgerinitiative Dr. Hans Irion, Peter Thunsdorff und Joachim Körber sprachen im Interview mit uns über ihre Motivation und Ziele. Sie üben deutliche Kritik an der Kooperationsbereitschaft der Deutschen Bahn und hoffen auf Unterstützung vom Gemeinderat.

Interview: Alexandra Weichbrodt

Herr Dr. Irion, Sie haben vor fast eineinhalb Jahren die Bürgerinitivative “Schutz vor Bahnlärm östlich und westlich der Bergstraße” ins Leben gerufen? Was war der Auslöser?

Dr. Hans Irion: Ich hatte gehört, dass das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an einen Investor verkauft wurde. Am 01. Juni 2011 habe ich daraufhin an die Fraktionsvorsitzenden, den Oberbürgermeister und die Zeitungen geschrieben, mit der Bitte um Schließung der Lücken zwischen den Gebäuden mit Hilfe von Lärmschutzzäunen.

Weil Sie sich durch den Bahnlärm gestört fühlten?

Irion: In erster Linie habe ich nicht aus eigenem Interesse gehandelt. Ich kann zwar nicht bei offenem Fenster schlafen, aber ich komme mit dem Lärm zurecht. Ich dachte mir: Weinheim ist eine dermaßen verlärmte Stadt, da muss man einfach was tun. Als Bürger dieser Stadt wollte ich etwas dagegen tun.

Unser eigentlich vierter Mann Herr Köferl, der in der Zwischenzeit leider verstorben ist, las in der Zeitung davon und meldete sich damals bei mir. Er sagte: „Wenn Sie hier etwas erreichen wollen, müssen Sie eine Bürgerinitiative gründen”. Er hatte Erfahrungen in diesem Bereich. So ist die Bürgerinitiative entstanden. Kurz darauf sind Herr Thunsdorff und Herr Körber zu uns gestoßen und haben unser Team optimal ergänzt. Wir alle sind mehr oder weniger vom Bahnlärm betroffen.

“Lärm zunehmend unerträglich”

Peter Thunsdorff: Das stimmt. Ich wohne in der Lortzingstraße und die Schienen sind von meinem Balkon genau 185 Meter entfernt. Ich messe auf meinem Balkon einen Spitzenpegel von 75 bis 80 Dezibel , wenn Nachts die Güterzüge vorbei rollen. Bedenkt man, dass der medizinisch anerkannte Aufwach-Wert bei 45 Dezibel liegt, dann können Sie sich denken, wie viel erholsamer Schlaf möglich ist.

Ich habe bereits vor 12 Jahren Lärmschutzfenster in mein Haus eingebaut, weil ich den Lärm als zunehmend unerträglich empfand. Als ich das Rundschreiben von Herrn Irion und Herrn Köferl im Briefkasten fand, habe ich ein bisschen im Internet recherchiert und ihnen ein paar Informationen zukommen lassen. Daraufhin fragten sie mich, ob ich nicht Lust hätte mich dort mit einzubringen.

Joachim Körber: Das Engagement war im ersten Moment natürlich recht egoistisch. Auch in wohne östlich der Bahnlinie. Als ich von den Plänen der Bebauung hörte, dachte ich es sei vielleicht ein guter Moment, um dieses Thema mal anzupacken. Ich wollte herauszufinden, ob der Investor – der ja östlich der Bahnschienen baut – bereit ist etwas für uns zu tun.

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht derzeit ein Fachmarktzentrum. Der Investor zeigte sich den Anliegen der Bürgerinitiative gegenüber sehr einsichtig.

Sie haben vom Hamburger Immobilieninvestor AVW Lärmschutzwände gefordert, die er dann auch auf freiwilliger Basis zugesichert hat. Klingt im Nachhinein einfach. War es das denn auch?

Körber: Nun gut, so ganz freiwillig gibt man ja nicht Tausende von Euro aus. Das war uns schon klar und dafür haben wir auch Verständnis. Wir hatten daher vorsorglich Einspruch erhoben. Die Stadt hat sich unser Forderung gegenüber sehr aufgeschlossen gezeigt und gesagt: „Wir haben nichts dagegen, wenn Sie direkt mit dem Investor sprechen. Wenn Ihnen das gelingt, haben Sie einen Orden verdient.“

Der Investor hat sich dann tatsächlich den Gesprächen gestellt. AVW hat unwahrscheinlich fair gehandelt und es war für uns kein allzu großer Kampf. Uns wurde zugesichert die Lücken überlappend mit Lärmschutzwänden zu schließen. Daraufhin haben wir den Einspruch zurückgezogen.

Das war der erste Erfolg für Ihre Bürgerinitiative. Wie sind Sie denn überhaupt an das Thema rangegangen? Welche Schritte waren nötig?

Thusndorff: Wir mussten uns natürlich alle erst einmal in das Thema reinarbeiten. Was sind Dezibel? Wie misst man sie? Ich habe Messgeräte gekauft, um die Messungen ordentlich durchführen zu können. Mit jedem Schritt, den wir durch unsere Informationen weiterkamen, haben wir allerdings festgestellt: Es ist nicht nur unser Stück – entlang des jetzt entstehenden Fachmarktzentrums –  betroffen. Es ist eigentlich ganz Weinheim, das unter dieser Lärmsituation leidet. Die Weststadt und Lützelsachsen ebenso, wie die Waid, das Gebiet hoch zum Schlosspark und weiter nach Sulzbach. Überall gehen die Werte über 60 Dezibel hinaus.

“Ganz Weinheim ist davon betroffen”

Körber: Wir haben uns dann also relativ schnell nicht mehr nur auf “unsere” Seite konzentrieren können. Die Resonanz und Zuschriften der Bürgerinnen und Bürger hat das bestätigt.

Wie viele Weinheimerinnen und Weinheimer sind denn konkret von einem “gesundheitsgefährdenden Lärm” betroffen?

Körber: Insgesamt haben uns mehr als 500 Unterschriften erreicht. Wenn wir davon ausgehen, dass in jedem Haushalt durchschnittlich drei Personen leben, dann würde ich schätzen, dass mindestens 1.500 Menschen so direkt betroffen sind, dass sie sich bei uns melden und aktiv werden wollen.

Die Lärmkartierung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) in Bonn zeigt, dass die Bahnlinie einen extremen Schallpegel abgibt, der im Mittelwert größer ist als 75 dB(A) (Schallpegel). Dieser breitet sich links uns rechts der Bahnstrecke aus. Er zieht auf der einen Seite im Westen in die Ebene und nach Osten den Hang hinauf. Der Schallpegel baut sich erst mit Entfernung ab. Das heißt, das ganze Wohngebiet ist von einer Lärmbelastung über 60 Dezibel im Mittelwert, also im gesundheitsgefährdeten Bereich, betroffen. In Spitzenwerten geht das bis auf 85 dB(A) hoch.

Entlang der Weinheimer Strecke sind das nach unseren Schätzungen etwa 5.000 bis 6.000 Menschen. Am schlimmsten betroffen sind aber wohl die 500 Unterschriftengeber und ihre Familien

Ihr Engagement mit der Bürgerinitiative kostet Sie eine Menge Geld. Wie finanzieren Sie Ihren Aufwand?

Irion: Ja, zunächst einmal aus eigenen Mitteln. Wir sind alle drei mehr als ehrenamtlich tätig. Herr Thunsdorff hat beispielsweise seine Messgeräte selbst gekauft und auch die ersten Informationsblätter haben wir aus eigener Tasche finanziert.

In einem Info-Blatt haben wir dann darauf hingewiesen, dass wir auch über eine finanzielle Unterstützung dankbar wären. Daraufhin haben wir tatsächlich einiges an Spendengelder einnehmen können. Dieses gespendete Geld wird natürlich ausschließlich für die Bürgerinitiative verwendet.

Der Zupruch der Bevölkerung gibt Rückhalt

Thunsdorff: Die Spanne der Spendensummen liegt zwischen 5 und 500 Euro. Wir sind überrascht gewesen, mit welcher Bereitschaft uns Spenden zukamen. Denn wir können keine Spendenquittung ausstellen, da wir kein eingetragener Verein für gemeinnützige Zwecke sind. Wir hoffen ja, dass unsere Bemühungen bald ein Ende haben und wir keine dauerhafte Gruppierung, wie einen Verein benötigen. Trotzdem sind die Bürger bereit ihr Portemonnaie aufzumachen, das ist sehr dankenswert.

Körber: Wir hören öfter: Ihre Arbeit ist mir die Spende wert. Das Interesse an unserer Tätigkeit ist erfreulich groß, was uns natürlich auch wieder ein bisschen Kraft und Rückhalt gibt.

Sie investieren neben Geld auch eine Menge Zeit, oder?

Körber: Ja, da stecken viele Stunden drin. Wenn sie einen offiziellen Brief schreiben, beispielsweise an eine hochgestellte Persönlichkeit, dann kommt es auf Professionalität an. Unsere Arbeit muss seriös sein.

Thunsdorff: Wir haben auch den Anspruch nicht polemisch oder emotional zu sein. Obwohl die Versuchung manchmal natürlich sehr groß ist, wenn man mit arroganten Sprüchen abgespeist wird. Da kommt der Groll schon mal hoch.

Irion: Es stimmt also schon, dass es viel Arbeit ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Gewinn für unser persönliches Leben. Wir haben neue Freunde gefunden. Wir diskutieren und arbeiten uns in neue Themenfelder ein. Das hält uns geistig rege und fit. Außerdem haben wir das Gefühl wir tun etwas, dass der Allgemeinheit hilft.

Was steht denn aktuell auf der Agenda der Bürgerinitiative?

Auf ihrer Internetseite www.bl-w.de informiert die Bürgerinitiative über Daten, Fakten und Geschehnisse der aktuellen Diskussion.

Körber: Ganz klar die Erstellung eines eigenen Gutachtens über die Lärmsituation in Weinheim. Wir stellten uns die Frage, ob die im Jahr 2005 abgeschlossenen Maßnahmen der Deutschen Bahn auf einem geeigneten Gutachten aufgebaut waren.

Wir haben recherchiert und die Stadt nach dem genauen Inhalt des Gutachten gefragt. Die Stadt war äußerst kooperativ. Der Inhalt des Gutachtens war für uns dann wirklich verblüffend. Das Gutachten war eingegrenzt bis auf wenige Meter – bis westlich der Rosenbrunnenstraße – von den Gleisen entfernt.

Da haben wir uns gedacht: Das kann doch nicht wahr sein. Wir haben uns an das Eisenbahn-Bundesamt gewandt und nachgefragt, wie das denn zu beurteilen sei. Da wurden wir auf eigene, aktuellere Pläne von 2008 verwiesen. Das Gutachten war von 2002. Aber wir haben ja heute viel mehr Lärm als damals.

Gemeinsam mit der Stadt haben wir daraufhin die Beauftragten der Bahn nach Weinheim eingeladen. Da kamen auch zwei, die uns klar gemacht haben, dass diese Strecke “Bestandsschutz” habe und mit den Maßnahmen von 2005 die Arbeit in Sachen Sanierung abgeschlossen sei.

Irion: Basta.

Thunsdorff: Zitat des Bahnmitarbeiters: “Einmal saniert, für immer saniert.“ Diese Aussage war schon heftig.

Ihre Einwände haben bei den Zuständigen also kein Gehör gefunden?

Körber: Unsere Argumentation, dass der Verkehr und die Zugzahl zugenommen haben, wurde bestätigt. Das sei alles richtig, auch die Prognosen. Die eigenen Berechnungen des EBA liegen auch weit über dem, was im Jahr 2002 berechnet wurde. Aber die Strecke habe Bestandsschutz und daher müssten die Bürgerinnen und Bürger die Zunahme des Verkehrs einfach aushalten.

“Einmal saniert, für immer saniert”

Nach dieser Aussage waren wir schon etwas geladen. Ich bezeichne diese Argumentation mit dem Bestandsschutz ganz bewusst als “bösartig”. Das ist eine Verachtung der Bürger. Eine Verachtung des grundgesetzlich geschützten Rechts der Unversehrbarkeit der Menschen.

Wir haben das EBA gebeten, diese Werte neu zu berechnen. Das EBA hat sich zunächst auch der Aufgabe gestellt, hat dann aber wohl einen Hinweis bekommen, als nachgeschaltete Behörde des Verkehrsministeriums, die Arbeit nicht fortzuführen.

Wissen Sie warum?

Körber: Nein, das wissen wir nicht und möchten da auch keine Vermutungen anstellen. Wir wissen nur, dass unser Oberbürgermeister Heiner Bernhard vom Präsidenten des EBA einen Brief bekommen hat, in dem der Präsident mitteilte, dass die Strecke unter Bestandsschutz falle.

Da waren wir in einer Situation, in der wir überlegt haben, ob das jetzt das Ende unserer Bürgerinitiative ist und wir aufhören sollen.

Haben Sie aber nicht.

Körber: Nein, denn die Gemeinden sind offiziell aufgefordert einen Lärmaktionsplan zu erarbeiten. Im Rahmen der Erarbeitung dieses Lärmaktionsplans hat die Stadt Weinheim das Gutachten eingeholt und festgestellt, dass sie für den Schienenverkehr keinen Plan erstellen kann, da in diesem Gutachten wichtige Daten vorenthalten wurden. Das EBA hat Daten, wie z.B. die Zahl der betroffenen Bürger nicht genannt.

Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, dass wir ein eigenes Gutachten brauchen. Diese Situation ist nach wie vor aktuell. So ein eigenständiges Gutachten nur für Weinheim kostet natürlich Geld. Wir haben im Rahmen der Lärmaktionsplanung der Stadt Weinheim die Frage gestellt, ob sie denn das Gutachten in Auftrag geben könnte. Die Antwort des Ersten Bürgermeisters Dr. Torsten Fetzner war: „Wir haben dafür kein Geld.“

Alle Hoffnungen ruhen auf dem Gemeinderat

Diese Antwort des Bürgermeisters war vollkommen in Ordnung. Es stimmt. Aber der Gemeinderat könnte das Geld ja bewilligen. Das heißt, der Gemeinderat ist aufzufordern, dieses Gutachten zu bewilligen und die Verwaltung zu autorisieren dieses anzufordern.

Das ist derzeit Ihre Stratgie?

Thunsdorff: Ja. Wir sind grade dabei die Fraktionen im Gemeinderat der Stadt Weinheim anzusprechen, um deren Bezug zur Problematik festzustellen. Wir können bis dato vermelden, dass die kleineren Parteien – die Grünen und die FDP – sehr aktiv mitziehen. Sie haben direkt auf unser Anliegen reagiert. Bei der CDU, SPD und den Freien Wählern zeigt man eine, bisher für uns noch nicht ganz nachvollziehbare, Zurückhaltung. Wobei wir doch davon ausgehen, dass wir eine Initiative verfolgen, die zum Wohle aller ist.

Woran könnte diese Zurückhaltung liegen?

Körber: Ich möchte den Parteien zu Gute halten, dass der Gemeinderat sich ja wirklich mit vielen, vielen unterschiedlichen Themenbereichen befasst. Dass die Stadträte jetzt auf allen Gebieten, die für die Bürger von Interesse sind, sofort höchste Sensibilität haben, kann man nicht erwarten.

Thunsdorff: Wir sind daher guter Dinge, dass die großen Fraktionen sich auch noch melden. Wir müssen noch ein paar Tage Geduld haben.

Irion: Auch, wenn uns das Warten manchmal schwer fällt, weil wir so für unser Projekt brennen. Wir haben gelegentlich nur wenig Verständnis für Leute, die nicht genauso begeistert sind wie wir, um dieses Projekt voranzutreiben.

Für wie wahrscheinlich halten Sie die Bewilligung der Mittel in der nächsten Gemeinderatsitzung?

Körber: Wir gehen davon aus, dass auf der nächsten Gemeinderatsitzung die entsprechenden Mittel zur Finanzierung dieses Gutachtens in das Budget der Stadt für 2013 aufgenommen werden. Bis zu dieser Gemeinderatsitzung werden wir auch hoffentlich ein Angebot der Firma Möhler und Partner aus München mit genauen Zahlen vorlegen können. Diese hat übrigens auch die Bundesregierung im Jahr 2011 über die Lärmschutzsituation in Deutschland unterrichtet.

Mit diesem eigenen Gutachten wollen wir dann an die Öffentlichkeit, denn mit dem Stichwort “Bestandsschutz” sind wir nicht zufrieden. Wir stellen die ganz klare Forderung, dass im Rahmen dieser freiwilligen Lärmsanierungsaktion der DB Netz, das Weinheim-Thema erneut aufgegriffen wird. Es kann nämlich nicht sein, dass man auf einer Strecke den Verkehr bis weit über die Leistungsgrenze hochfährt und dann alle Betroffenen im Regen stehen lässt.

Irion: Dazu kommt, dass die Gemeinden nördlich von uns in Hessen, vollständig saniert sind. Der Lärmschutz endet direkt vor Weinheim, an der Grenze von Hemsbach.

Egal, ob westlich oder östlich der Bahnschienen: Zu laut ist es überall in Weinheim. Besonders in der Nacht.

Woran liegt das? An der Landesregierung?

Körber: Nein, die Landesregierung hat darauf gar keinen Einfluss. Auch bei der Bahn muss man differenzieren. Zunächst dachten wir auch: Klar, Ansprechpartner ist die Deutsche Bahn. Wer ist der Vorsitzende? Den schreiben wir an. Aber das ist viel differenzierter.

Nach der Privatisierung 1992 haben wir ja folgende Situation: Die Strecken, die Trassen und die Grundstücke auf der die Bahnen fahren, gehören der Bundesrepublik Deutschland. Vertreten werden sie durch das Bundesverkehrsministerium. Dieses hat die DB Netz beauftragt die Strecken in Stand zu halten und zu vermieten.

Durch Weinheim fahren also rund 200 verschiedene Verkehrsunternehmer, die meisten privater Natur. Die rollen hier durch die Nacht und verlegen den Lärmteppich über Weinheim. Würden wir versuchen direkt an den Lärmverursacher gehen, dann müssten wir uns mit 200 Unternehmen rumschlagen und diese bitten, Wagen einzusetzen die nicht so viel Krach machen. Da sind wir auf verlorenem Posten.

“Es kann nicht sein, dass man die Betroffenen im Regen stehen lässt”

Also üben Sie anderweitig Druck aus?

Körber: Ja und die öffentliche Meinung sowie die aktuelle Diskussion kommt uns mittlerweile entgegen. In der Schweiz haben wir momentan den Fall, dass in Zukunft nur noch leise Güterzüge zugelassen werden sollen. Dort soll eine gesetzliche Bestimmung einführt werden. Das erhöht den Druck auf den internationalen Eisenbahnverkehr. Davon spüren wir hier in Weinheim aber derzeit noch nichts. Also machen wir weiter.

Unser Ziel ist es den Bahnlärm zu reduzieren, wo immer es möglich ist. Viele Unterstützer schreiben uns, machen Vorschläge und geben Anregungen. So hatte uns eine Dame geschrieben, die darüber klagte, dass der Bahnlärm plötzlich noch lauter als bisher ist. Herr Thunsdorff hat sich die Stelle und das Problem angeschaut und festgestellt, dass  die Schienen nur gefräst, statt geschliffen wurden. Das ist günstiger und spart Geld, ist aber auch deutlich lauter im Betrieb. Auf unsere Initiative hin, hat das Eisenbahn-Bundesamt sofort die DB Netz angewiesen das Problem zu beheben. Binnen zwei Wochen waren die Schienen dann geschliffen.

Das ist doch mal ein positives Beispiel für die Kooperationsbereitschaft der Behörden.

Körber: Ja, ein positives Erlebnis mit der Aufsichtsbehörde des Eisenbahn-Bundesamts. Mit der Deutschen Bahn hat das aber nicht viel zu tun. Ich finde, dass die Bahn sich hinter ihren juristischen Möglichkeiten versteckt. Besonders beim Thema Bestandsschutz. Die Bahn ist von sich aus nicht bereit etwas zu tun, weil sie immer den Präzedenzfall scheut. Wofür ich Verständnis habe. Wenn sie es für Weinheim tut, muss sie es vielleicht auch für 50 andere Ortschaften in Deutschland tun. Das hat ja immer eine Kettenwirkung. Aber da wir in der Belastung, gleich hinter dem Rheintal kommen, muss man bei uns ebenfalls handeln. Denn auch die Rheintalstrecke stand unter Bestandsschutz. Das kann also nicht länger das Argument sein. (Anm. d. Red.: Alles zur Initiative gegen Bahnlärm im Rheintal finden Sie hier )

Wir sind der Meinung, dass man den Verursacher des Krachs stellen muss. Nach unserem juristischen Verständnis ist das die DB Netz. Da diese aber von sich aus nichts tun möchte oder kann, sind wir bereit den politischen Druck auf DB Netz zu erhöhen. Wir sind im Gespräch mit dem Regierungspräsidium in Karlsruhe, mit der Landesregierung und Lärmschutzbeauftragten in Stuttgart, mit dem Verkehrsministerium und dem EBA. Wir sind davon überzeugt, dass die gegenseitige Information der verschiedenen Stellen dazu führt, dass sich Einzelne nicht aus der Verantwortung ziehen können. Das setzt sie unter Druck und das wollen wir, denn dann tun die auch was.

Wie würden Sie sich jetzt den zukünftigen Verlauf dieser Geschichte wünschen?

Körber: Wir stellen klare Forderungen und sollten diese erfüllt werden, ist die Sache für uns erledigt.

Wie sehen diese Forderungen aus?

Körber: Die Bürger von Weinheim sind nicht bereit sich den Strapazen des Bahnlärms weiter auszusetzen. Sie fordern den grundgesetzlichen Schutz der körperlichen Unversehrtheit und ihres Eigentums. Im Detail sind die Forderungen innerhalb der Gemarkung Weinheim, die Reduzierung der Geschwindigkeit für Güterzüge auf 50 km/h Kilometer bis zum Abschluss der Erstellung eines geeigneten Schallschutzes; eine sofortige Realisierung geschlossener Schallschutzwände, im Rahmen des freiwilligen Lärmsanierungsprogramms der Bundesregierung Deutschland und keine weiteren Beschlichtungsversuche mit dem äußerst zweifelhaften Argument des Bestandsschutzes.

Wir wünschen uns, dass nun auch die Fraktionen diesen Gedanken mittragen und die Verwaltung entsprechend beauftragen.

Thunsdorff: Sollten Fraktionen dabei sein, die unseren Plan nicht unterstützen, hätten wir eine neue Situation und müssten erneut darüber nachdenken. Aber damit wollen wir uns im Moment noch nicht beschäftigen.

Von der Stadtverwaltung und auch ihrem Ansprechpartner Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner sehen Sie aber die Unterstützung Ihrer Anliegen?

Körber: Ja, auf jeden Fall. Auch der Oberbürgermeister Heiner Bernhard hat sich sehr ausführlich mit uns auseinander gesetzt und ich hatte den Eindruck der Herr Bernhard ist ausgesprochen dankbar für unser Engagement.

Der Blick von der Barbarabrücke auf das Wohngebiet rund um die Rosenbrunnenstraße. In Zukunft werden hier Lärmschutzwände den Krach ein wenig eingrenzen.

Info:
Dr. Hans Irion hat die letzten 25 Jahre seines Berufslebens als Leiter für Forschung und Entwicklung im Agrarbereich der Südzucker AG gearbeitet. Peter Thunsdorff ist Mathematiker und Volkswirt. Er war u.a. als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Joachim Körber ist studierter Elektroningenieur und hat hauptsächlich in der Bahnindustrie gearbeitet. U.a. war er Geschäftsführer im Verband der deutschen Bahnindustrie.

1. Rolf-Engelbrecht-Preis verliehen

Maria Guerrero Gallego geehrt

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V.l.n.r. Christoph Engelbrecht, Oberbürgermeister Heiner Bernhard, Preisträgerin Maria Guerrero, Dr. Helga Reindel (Projekt Weinheim), Dr. Pia Gerber (Freudenberg Stiftung), Kadhja Huber (Integration Central), Dr. Adalbert Knapp (Bürgerstiftung Weinheim). Foto: Stadt Weinheim

Weinheim, 26. November 2012. (red/aw) Die in Weinheim lebende Spanierin Maria Guerrero Gallego wurde heute für ihre besonderen Verdienste rund um die Integration mit dem Rolf-Engelbrecht-Preis geehrt. In Gesellschaft des Oberbürgermeisters und vielen Weggefährten sowie ihrer Familie nahm sie diese erstmalig verliehene Auszeichnung im Alten Rathaus entgegen.

Von Alexandra Weichbrodt

Grundlage für die Verleihung des Rolf-Engelbrecht-Preises ist die vorbildliche Initiative, sich für eine demokratische Stadtgesellschaft einzusetzen, in der Menschen unabhängig ihrer sozialen Herkunft, ihrer kulturellen und weltanschaulichen Vielfalt gleichberechtigt zusammenleben können.

Die im letzten November vom Gemeinderat beschlossene und von der Stadt Weinheim, der Bürgerstiftung Weinheim und der Freudenberg Stiftung verliehene Ehrung soll Maria Guerrero Gallegos unermüdlichen Einsatz für Integration und Chancengleichheit anerkennen.

“Am Anfang war es schwer”

Maria Guerrero Gallego kam 1966 aus Madrid in Spanien nach Weinheim und hat in den letzten 46 Jahren einen vorbildlichen beruflichen und ehrenamtlichen Einsatz für ein harmonisches Zusammenleben in Weinheim gezeigt. Die gelernte Sekretärin war die treibende Kraft im Spanischen Zentrum, einer über Jahrzehnte hinweg sehr wichtigen Anlaufstelle für die spanische Gemeinde in Weinheim.

Langjährige Weggefährten: Christian Petry, Dr. Helga Reindel, Mehmet Düveyki und Cristina Mendez de Vigo. (Foto: Stadt Weinheim)

Seit 1979 ist Maria Guerrero Gallego Mitarbeiterin des Projekts Weinheim. Sie war und ist der gute Geist dieser Einrichtung zur Integration von Migrantinnen und Migranten. Die heute 76-Jährige half – und hilft noch – insbesondere Jugendliche auf ihrem Weg ins Berufsleben.

Denn auch jetzt im Ruhestand ist sie „immer im Dienst“, verriet ihre langjährige Weggefährtin Dr. Helga Reindel. Gemeinsam mit Christian Petry, Mehmet Düveyki und Cristina Mendez de Vigo erläuterte sie, was Maria Guerrero Gallego zu einem so besonderen Menschen macht.

Sie sei eine hartnäckige Frau mit viel Humor. Die, die Gabe habe auch traurige oder schwierige Situationen mit einem Lächeln zu meistern. Für Mehmet Düveyki ist sie

nicht nur Kollegin, sondern auch große Schwester und eine kämpferische Menschenrechtlerin.

Der Jury, bestehend aus Oberbürgermeister Heiner Bernhard für die Stadt Weinheim, Dr. Pia Gerber für die Freudenberg Stiftung, Dr. Adalbert Knapp für die Bürgerstiftung Weinheim und Christoph Engelbrecht sowie Kadhja Huber (Integration Central) und Dr. Helga Reindel (Projekt Weinheim), fiel die Auswahl der Preisträgerin nicht schwer.

Rolf Engelbrecht als würdiger Namensgeber

Christoph Engelbrecht ehrt Maria Guerrero Gallego. (Foto: Stadt Weinheim)

Im November vergangenen Jahres hatte der Gemeinderat beschlossen den Rolf-Engelbrecht-Preis zu vergeben, um die „die aktive Förderung eines kulturell vielfältigen und demokratischen Miteinanders in Weinheim” zu ehren.

Der Preis bedeutet auch eine posthume Ehrung des gebürtigen Elsässers Rolf Engelbrecht, der von 1948 bis 1966 Weinheims erster Nachkriegs-Oberbürgermeister war.

Rolf Engelbrecht zeigte immer besonderen Einsatz für Integration und Völkerverständigung,

sagte Oberbürgermeister Heiner Bernhard über den Namensgeber der Auszeichnung, die mit 3.000 Euro dotiert ist. Zur Preisübergabe war Engelbrechgts Sohn Christoph erschienen:

Dieser Preis ist eine großartige Idee. Mein Vater wäre sicher geehrt und gerührt gewesen.

Sein Vater habe es immer als Aufgabe gesehen, die Stadt zu öffnen:

Integration muss keine Einbahnstraße sein.

Maria Guerrero Gallego sei das beste Beispiel und daher eine würdige Preisträgerin.

“Muchas Gracias”

Maria Guerrero Gallego ist sichtlich gerührt. Die 67-Jährige kämpfte mit den Tränen. Bereits 2002 wurde sie mit der Ehrennadel der Stadt Weinheim ausgezeichnet und freut sich heute sehr über diese weitere Anerkennung ihres Schaffens.

Ich bin sehr dankbar. Dieser Preis ist eine schöne Überraschung.

Es sei immer ein Sinn ihres Lebens gewesen, anderen zu helfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Auch, wenn es nicht immer einfach war. Umso selbstverständlicher war und ist für sie ihr unermüdliches Engagement:

Ich stehe weiter zur Verfügung.

Das hört man in Weinheim gerne. Gebraucht werden Menschen wie Maria Guerrero Gallego immer. In jeder Stadt.

Maria Guerrero Gallego fühlt sich geehrt und bedankt sich für den Rolf-Engelbrecht-Preis. (Foto: Stadt Weinheim)

Stadt und Rotes Kreuz ehrten verdiente mehrfache Blutspender

„Wir brauchen Menschen wie Sie“

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“Ihre Bereitschaft war und ist lebenswichtig”, ehrt der Oberbürgermeister Heiner Bernhard die Blutspender

Weinheim, 21. November 2012. (red/pm) „Sie sind Vorbild und Beispiel zugleich.“ Mit diesem Lob, Urkunden und Ehrennadeln hat hat Weinheims Oberbürgermeister Heiner Bernhard im Rathaus eine Reihe von mehrfachen Blutspendern geehrt. „Sie sollen ganz offiziell bescheinigt bekommen, dass unsere Gemeinschaft Menschen wie Sie braucht, ganz dringend braucht“, erklärte der OB, der die Ehrung gemeinsam mit Christiane Springer und Robin Stockmann vom örtlichen Deutschen Roten Kreuz vornahm.

Information der Stadt Weinheim:

“Bei den Spendern waren auch wieder einige Männer, die weit überdurchschnittlich oft ihren Lebenssaft weitergegeben haben. Zum Beispiel Franz Riecker, der sage und schreibe 200 Mal Blutplasma gespendet hat. Rolf Zschippig kam nach 50 Jahren Blutspenden nun auf erstaunliche 100 Gelegenheiten, mit seinem Blut anderer Menschen Leben zu retten. Als junger Mann von 22 Jahren hielt der gelernte Schriftsetzer zum ersten Mal den Arm hin. Mit jetzt 72 Jahren hat Rolf Zschippig allerdings eine Altersgrenze erreicht. Er würde ansonsten noch weiterspenden. „Es macht mir nichts aus und anderen hilft es“, so seine scheinbar lapidare Erklärung.

„Sie können sicher sein, dass Sie mit Ihren Einsätzen in Sachen Nächstenliebe unschätzbare Dienste geleistet haben. Sie dürfen stolz darauf sein. Ihre Bereitschaft war und ist lebenswichtig“, bescheinigte Heiner Bernhard. Er wünschte sich, das vorbildliche Bürgerverhalten werde möglichst viele Menschen dazu ermuntern, „für das Gemeinwohl ein wenig Blut zu lassen“. Die Nachfrage nach rettenden Blutkonserven übersteige das Angebot immer noch bei Weitem. Der OB nutzte den Anlass, um für die Beschäftigung mit dem Thema Organspende zu werben. Er berichtete, dass nach langem Ringen im Bundestag ein Konsens gefunden wurde. Ab sofort gelte in Deutschland die Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz: Jeder Versicherte wird von seiner Krankenkasse aufgefordert zu dokumentieren, ob er nach seinem Tod Organe spenden möchte oder nicht. Bernhard: „Ich halte es in jedem Fall für wichtig, dass jede und jeder Einzelne eine bewusste Entscheidung zu diesem Thema trifft, um für sich und die Angehörigen Klarheit zu schaffen.“

Die geehrten Blutspender im Einzelnen. Für zehn Mal: Elvira Bratfisch, Wilhelm Drews, Wolfgang Eder, Thomas Hecklau, Anna Herrwerth, Kastor Höhn, Tanja Kiefer, Constanze Köfeler, Felix Lang, Martina Metz-Matter, Türkan Pala, Ines Riegeler, Markus Schäfer, Simone Schönemann, Jochen Schuhmann, Karl-Heinz Summ, Martin Thiel, Sandra Weber, Hans-Peter Wiltz, Ingeborg Wolf, Petra Ziemann, Susanne Zöller, Patrick Zöller. Für 25 Mal: Brigitte Berger, Sascha Dell, Ingeborg Dorweiß, Rüdiger Grünewald, Gisela Randoll, Josef Rose, Karim Salama, Sabine Schwenzer, Eva-Maria Swiczinsky, Achim Weihrich. Für 50 Mal: Ulla Schwarz. Für 75 Mal: . Für 100 Mal: Rolf Zschippig. Für 200 Mal: Franz Riecker.”

Stadt gedachte am 9. November der Reichspogromnacht von 1938

Steine gegen das Vergessen

Gedenken Pogromnacht

Am 9. November gedachte Weinheim der Progromnacht: Während der Bürgermeister die Namen aller 114 jüdischer Personen verlas, die am 9. November 1938 in Weinheim gelebt haben, legten Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Steine am Mahnmal nieder

Weinheim, 16. November 2012. (red/pm) „In den frühen Morgenstunden wurde mein Vater von SA-Leuten abgeholt und wie alle jüdischen Männer Weinheims ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Als ich später zur gewohnten Zeit in die Schule gehen wollte, da konnte ich nicht mehr aus dem Haus. Bald rückten auf einem offenen Lieferwagen Schlägertrupps mit großen Äxten an und begannen, alles kurz und klein zu schlagen. Die großen Schaufenster und das ganze Inventar der Geschäfte meiner Großeltern und meines Großonkels wurden zerstört und über den Splittern der Schaufenster wurden dann die Bettfedern von aufgeschlitzten Kopfkissen verstreut. Es war ein Bild des Grauens.”

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Wirtschaftliche Absicherung durch Kommunen

Neue Buslinien im neuen Jahr

Weinheim/Hemsbach/Laudenbach, 14. November 2012. (red/pm) Die Busse fahren ab dem nächsten Jahr besser. Wenn im Jahr 2013 am Weinheimer Hauptbahnhof ein Zentraler Omnibusbahnhof entstanden ist, dann wird die Große Kreisstadt noch mehr zur Verkehrsdrehscheibe.

Information der Stadt Weinheim:

“Das bedeutet auch eine Verbesserung für die nördlich gelegenen Bergstraßenkommunen Hemsbach und Laudenbach sowie für die Stadt Weinheim in ihrer Funktion als Mittelzentrum. Die Linien 631 und 632 binden neben den Weinheimer Ortsteilen auch die Nachbarkommunen Hemsbach und Laudenbach an. Um die entstehenden Kosten der Stadtbusgesellschaft WEBU im neuen Linienbündel gerecht aufzuteilen, aber auch ein Mitspracherecht bei der Fahrbahngestaltung einzuräumen, schlossen die drei Rathauschefs jetzt einen neuen Vertrag, der am 1. Januar 2013 in Kraft tritt. Ein Vorgängervertrag aus 1997, der bislang den Busverkehr regelte, ist damit obsolet.

Oberbürgermeister Heiner Bernhard empfing die beiden Bürgermeister-Kollegen Jürgen Kirchner und Hermann Lenz zur Unterzeichnung im Rathaus. Alle drei Verwaltungschefs lobten das Übereinkommen als einen pragmatischen Vorgang interkommunaler Zusammenarbeit. Für die Kommunen verhältnismäßig günstig ist der Busverkehr auch deshalb, weil die WEBU eine Tochter der Stadtwerke Weinheim ist. Die GmbH trägt den Betriebsverlust im steuerlichen Querverbund. Dadurch wird allerdings die Gewinnabführung an die Stadt Weinheim vermindert. Der Anteil des Betriebsverlustes, der auf die Kommunen entfällt, richtet sich nach den am Ende tatsächlich gefahrenen Nutzwagenkilometern. Eine endgültige Abrechnung wird daher nach dem Jahresabschluss der WEBU erfolgen.”